„Kevin ist kein Name, sondern ein Diagnose“

Kevin, Chantal, Justin, Jaqueline – Die Anzahl der Personen, die mit diesen Namen positive Eigenschaften verknüpfen, ist verschwindend gering. Vor allem bei deutschen Lehrpersonen. Gibt es in Österreich genauso viele Kinder, die mit diesen Namen und den damit verbundenen Vorurteilen leben müssen?

Die deutsche Sprachwissenschaftlerin Julia Kube hat im Rahmen ihrer  Master-Arbeit eine Studie in Auftrag gegeben, die folgendes Resultat zu Tage förderte:

Lehrerinnen assozieren  mit Namen wie Mandy, Chantal, Kevin, Justin oder Maurice mit Leistungsschwäche und Verhaltensauffälligkeit. 84,4 Prozent der Lehrer sahen Schüler mit Namen Kevin als “eher leistungsschwach” an. In dem Fragebogen war der symptomatische Satz “Kevin ist kein Name, sondern eine Diagnose!” zu lesen. Anders sieht es beim Namen Jakob aus. Dieser wird als leistungsstark (75,8 Prozent), verhaltensunauffällig (71,8 Prozent) und freundlich (71 Prozent) eingestuft. (Quelle)

Chantalismus  – dieses Blog erfreut sich seit einiger Zeit größter Beliebtheit. Was nicht zuletzt daran liegt, dass es sich das Bildungsbürgertum zum Freizeitvergnügen gemacht hat, über diese vorwiegend in bildungsfernen Familien vorkommenden Namen lustig zu machen.

Das Blog kommt aus Deutschland, führt aber auch Beispiele aus Österreich an. Um den Gegenbeweis dazu anzutreten, wurden die Top 100 Vornamen in Wien aller Neugeborenen seit 2006 ausgewertet und letztendlich auf die männlichen und weiblichen Top Ten des Jahres 2012 reduziert. Das Ergebnis: Emma und David waren die beliebtesten Vornamen für Mädchen und Jungen. In Österreich ist man also vom “Kevinismus” weit entfernt.