Data-Culture: Transparenz und Teilen

Es muss nicht immer Konkurrenzdenken sein. Gerade Datenjournalisten leisten, wenn sie ihre Methoden transparent machen und ihr Recherchematerial zur Verfügung stellen, auch einen Beitrag zur Sharing-Kultur im Netz. In Hackathons wird manchmal sogar über Verlagsgrenzen hinaus gemeinsam an überraschenden Lösungen gebastelt.

Eine Meta-Recherche von Jacqueline Winkler, Nicole Stranzl und Alexandra Polič

Transparenz herzustellen, zählt zu einer der wichtigsten Aufgaben des Journalismus. Durch die Digitalisierung wird es für den Leser immer einfacher, Geschichten zu hinterfragen und selbst zu recherchieren. Um Informationen zugänglich und die Recherche nachvollziehbar zu machen, stellen Journalistinnen und Journalisten nun Datensätze und Dokumente bereit. Sie führen den Leser so durch den Rechercheprozess.

Dafür definiert Timo Grossenbacher, Programmierer und Datenjournalist beim Schweizer Radio und Fernsehen (SRF), verschiedene Stufen der Transparenz. Es beginnt mit der Quellenangabe: Der Autor bzw. die Autorin verweisen auf den Ursprung ihrer Zitate und Informationen. Die nächste Stufe stellt die Veröffentlichung des Rechercheprotokolls dar, in dem die Methoden der Datenbearbeitung ausführlich beschrieben und erklärt werden. Durch das Bereitstellen der Rohdaten kann der Leser den Rechercheprozess selbst durchführen. Die Arbeit des Journalisten ist nun reproduzierbar. „Pseudo-Objektivität”, nennt Grossenbacher als Grund für die Methodenoffenlegung. Jeder Schritt in der Datenbearbeitung – Auswahl, Filtern, Säubern – ist eine subjektive Entscheidung. Zahlen lügen vielleicht nicht, aber ihre Verwendung ist das Ergebnis der Interpretation des Datenjournalisten. Exakt an diesem Kritikpunkt greift die Methodenoffenlegung, die es den Lesern ermöglichen soll, sich – frei von journalistischen Entscheidungen – selbst eine Meinung zu bilden oder sogar weitere Erkenntnisse zu gewinnen.

Um „die jeweilige Grundlage einer Tatsachenbehauptung gegenüber Lesern so weit wie irgend möglich transparent” zu machen, hat das Datenjournalismusnetzwerk „CORRECT!V” die Methodenoffenlegung sogar in seinen Statuten festgehalten. Regelmäßig werden Rechercheprotokolle, Dokumente sowie zusätzliche Erklärungen zu den behandelten Themen veröffentlicht.

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