Die zufriedensten Nationen der Erde

Mit dem World Happiness Report erscheint alle Jahre eine Studie, die sich mit dem weltweiten Glück auseinandersetzt. Der Happyness Report dokumentiert, wo die glücklichsten – oder besser gesagt zufriedensten – Menschen des Planeten leben. Ist ein hohes Bruttoinlandsprodukt ausschlaggebend, um eine glückliche Nation zu sein? Welche Kriterien muss ein Staat erfüllen, um es im Ranking ganz nach oben zu schaffen? Und wo leben die zufriedensten Menschen? Eine Analyse.

World Happiness Report: Hans und das Glück

Besitztum macht nicht glücklich. Das ist zumindest die Kernbotschaft des Märchens “Hans im Glück” der Brüder Grimm. Der Handwerksbursche erhält als Lohn für sieben Jahre Arbeit einen kopfgroßen Klumpen Gold. Durch mehrere Tauschgeschäfte besitzt Hans zu guter Letzt nur noch zwei Steine, die ihm in einen Brunnen fallen, als er etwas trinken will. “So glücklich wie ich gibt es keinen Menschen unter der Sonne”, ruft er nach dem vermeintlichen Missgeschick heraus. “Mit leichtem Herzen und frei von aller Last ging er nun fort, bis er daheim bei seiner Mutter angekommen war”, heißt es im Märchen weiter. Es gibt also bedeutsameres als Geld und Besitz – oder gar das Bruttoinlandsprodukt eines Staates, das den Gesamtwert aller Güter, die innerhalb eines Jahres innerhalb der Landesgrenzen einer Volkswirtschaft hergestellt wurden, angibt: sich von Lasten loseisen, um frei zu sein.

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Von Florence Nightingale zum Datablog: die Geschichte des Datenjournalismus

Some people think of “data” as any collection of numbers, most likely gathered on a spreadsheet. 20 years ago, that was pretty much the only sort of data that journalists dealt with. But we live in a digital world now, a world in which almost anything can be (and almost everything is) described with numbers.

The Data Journalism Handbook, Seite 2

Moderner Datenjournalismus hat seinen Durchbruch in der digitalisierten Welt des 21. Jahrhunderts erfahren, doch datenjournalistische Ansätze reichen wesentlich weiter in die Geschichte zurück. Kurz gesagt: Datenjournalismus gibt es, seit es Daten gibt.

Im Guardian etwa fand sich bereits 1821 eine Liste der Schulen in Manchester, die die Schülerzahlen und Kosten aufschlüsselte. Diese Datensammlung illustrierte, dass die Anzahl jener Schüler, die für ihre Schulbildung nicht bezahlen mussten, wesentlich größer war, als offizielle Zahlen belegten.

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Die Liste der Schulen im Manchester Guardian (Ausschnitt) (Quelle: The Guardian)

Ein anderes Beispiel aus dem England des 19. Jahrhundert ist der Bericht “Mortality in the British Army” von Florence Nightingale. Im Jahr 1858 verwendete sie Grafiken in ihrem Bericht an das Parlament, um ein besseres Gesundheitswesen für britische Soldaten zu erreichen. Der bekannteste Ausschnitt dieses Berichts ist wohl der „coxcomb“, eine grafische Darstellung der monatlichen Todesfälle, die zeigte, dass der Großteil der Soldaten nicht durch Kugeln, sondern durch vermeidbare Krankheiten starb.

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“Coxcomb” von Florence Nightingale (Quelle: Wikimedia)

Der wohl unmittelbarste Vorläufer dessen, was wir heute als Datenjournalismus verstehen, ist computer assisted reporting, kurz CAR. Wie der Name bereits sagt, wurden bei CAR Computer eingesetzt, um Daten zu sammeln, zu strukturieren und zu analysieren. CAR gibt es seit rund 60 Jahren, erstmals wurde die Technik vom amerikanischen TV-Sender CBS eingesetzt, um den Ausgang der amerikanischen Präsidentenwahl vorauszusagen.

In den 1960er-Jahren wurde CAR verbreitet eingesetzt, vorwiegend von Investigativjournalisten im US-amerikanischen Raum. Ziel des CAR war es stets, mittels wissenschaftlicher Methoden öffentlich zugängliche Datensätze auf eigene Faust zu analysieren – um so Trends erkennbar zu machen, Populärwissen zu widerlegen und Ungerechtigkeiten aufzuzeigen. Aus diesem Grund bekam diese Form der Berichterstattung auch den Namen public service journalism.

Als neuer Zugang zum Journalismus und als Antwort auf den “neuen Journalismus” enstand in den 1970er-Jahren der Begriff precision journalism.  Diese journalistische Form bediente sich den Methoden des CAR – gab damit gewissermaßen dem Datenjournalismus einen neuen Namen – und stellte sich offensiv gegen den new journalism, der fiktionale Elemente in die Berichterstattung einfließen ließ. Precision journalism nutzte Forschungsmethoden der Sozial- und Verhaltenswissenschaft und sollte bekannte Schwächen der journalistischen Praxis ausmerzen, wie zum Beispiel die Abhängigkeit von Pressemitteilungen oder Voreingenommenheit bei amtlichen Quellen.

Datenjournalismus, wie wir ihn heute verstehen, ist eine Geburt der Nullerjahre. Der Begriff data driven journalism, kurz DDJ, wurde 2009 vom Guardian geprägt, der in diesem Jahr auf seiner Website einen eigenen Datablog einrichtete und datengetriebene Storys mit entsprechender Visualisierung auf diesem veröffentlichte. Auch wenn der Guardian damit als absoluter Vorreiter gilt, gab es Vorläufer zu dieser Idee schon 2006: Adrian Holovaty lieferte in seinem Text “A fundamental way newspaper sites need to change” Vorschläge, wie klassischer Journalismus sich an das Internet anpassen solle. Holovatys Artikel gilt gewissermaßen als DDJ-Manifest.

Diskutiert wird momentan, ob es einen Unterschied zwischen CAR und DDJ gibt. “Die Recherche in Datensätzen, etwa Statistiken, ist wahrlich nichts Neues”, schreibt etwa Lorenz Matzat. Aber: DDJ ist für Matzat die Kombination aus Rechercheansatz und Darstellungsform. Während CAR allgemein oft als Tool angesehen (und verwendet) wird, um an und für sich bestehende Storys mit Informationen anzureichern, ist DDJ eine eigene journalistische Disziplin. Die Daten werden gesammelt, analysiert und anschließend visualisiert und veröffentlicht: nicht als Teil einer Story, sondern ergänzend oder überhaupt für sich allein gestellt.