Die Steirer und ihr Sport(verein)

Es lebe der Sport: Die Vereinskultur ist generell fixer Bestandteil der österreichischen Volksseele, und ganz besonders trifft das auf Sportvereine zu. Auch in der Steiermark ist die Sportvereinsdichte äußerst hoch: Nur in 33 Gemeinden (6,1 Prozent) gibt es keinen einzigen Sportverein.

Dem Österreicher sein Verein: Mehr als jeder zweite Österreicher (58 Prozent) ist Mitglied in einem Verein, rund ein Viertel der Bevölkerung engagiert sich auch aktiv im Rahmen der jeweiligen Mitgliedschaft. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage des Instituts für Freizeit- und Tourismusforschung (IFT) aus dem Jahr 2015 hervor. Die größte Vereinsgruppe laut dieser Umfrage: Sportvereine. Ein Drittel (33 Prozent) aller Menschen, die in mindestens einem Verein Mitglied sind, gehört einem Sportverein an, dahinter folgen Rotes Kreuz, Gesangs-, Musik- und Kulturvereine sowie die Freiwillige Feuerwehr.

 

Land-Stadt-Gefälle bei der Vereinsdichte

2.356 Sportvereine gibt es in der Steiermark an der Zahl. Die meisten Vereine, über 250, gibt es im Bezirk Südoststeiermark, gefolgt von Hartberg-Fürstenfeld und Graz-Umgebung (zum Zeitpunkt der Datenerfassung, 2008, war formal übrigens „GU“ der Bezirk mit den meisten Sportvereinen – die Bezirke Südoststeiermark und Hartberg-Fürstenfeld gab es damals nämlich noch nicht, sie entstanden erst 2013 durch Bezirkszusammenlegungen). Der bevölkerungsmäßig mit Abstand größte Bezirk, Graz-Stadt, liegt mit knapp über 200 Sportvereinen übrigens im Mittelfeld.

Der Bezirk mit den meisten Sportvereinen, Südoststeiermark, ist auch jener Bezirk mit der größten Sportvereinsdichte; pro 339 Einwohner gibt es dort einen Verein. Am schlechtesten bestellt ist es hier um den Bezirk Graz-Stadt: In der Landeshauptstadt kommt ein Sportverein auf ca. 1.200 Bewohner. Hier gibt es ein deutliches Land-Stadt-Gefälle.

 

Vereine machen nicht gesünder

Viele Sportvereine, das heißt nicht zwangsläufig, dass auch viele Menschen dort Sport betreiben. Laut IFT-Umfrage ist österreichweit jeder Zehnte aktives Mitglied in einem Sportverein. Öffentliche Zahlen darüber, wie viele Menschen in der Steiermark tatsächlich zu (Sport-)Vereinen gehören, gibt es nicht. Mit Einführung des Vereinsgesetzes 2002 sind entsprechende Abfragen an das zentrale Vereinsregister des Bundes, in dem jeder Verein eingetragen sein muss, nämlich nicht mehr möglich.

Sagen lässt sich jedoch so viel: Auch wo es viele Sportvereine gibt, fühlen sich die Menschen durchschnittlich nicht gesünder. Im Gegenteil: In der Versorgungsregion 62 – sie entspricht dem politischen Bezirk Liezen – gibt es die wenigsten Sportvereine, in dieser Region geben jedoch die meisten Personen (knapp 79 Prozent) ihren subjektiven Gesundheitszustand mit „Sehr gut“ an. Und in der Region mit dem zweithöchsten Prozentsatz (Versorgungsregion 61, Bezirke Graz-Stadt und Graz-Umgebung) gibt es die geringste Sportvereinsdichte.

 

Fazit

Die Österreicher im Allgemeinen und die Steirer im Besonderen lieben ihre Vereine. Am meisten lieben sie Sportvereine, in nur 33 Gemeinden der ganzen Steiermark (ca. sechs Prozent aller Gemeinden) gibt es keinen einzigen davon. Viele Sportvereine heißt aber nicht zwangsläufig, dass es dort auch viele sportelnde Steirer gibt. Ohne ausreichendes Datenmaterial lässt sich das aber weder bestätigen noch belegen. Fakt ist: Besonders gesund fühlen sich die Leute jedenfalls nicht unbedingt dort, wo es viele Sportvereine gibt. Während bei der Vereinsdichte also ein Land-Stadt-Gefälle gibt, ist hier ein klassisches Stadt-Land-Gefälle zu bemerken.

 


Daten
Landesstatistik Steiermark: Sportvereine in der Steiermark 2008 (PDF)
Land Steiermark/Gesundheit: Gesundheitsbericht 2015 (PDF)
Institut für Tourismus- und Freizeitforschung (IFT): Forschungstelegramm, Februar 2015 (PDF)
OpenStreetMap Contributors: Geodaten (via Tableau)

Mit dem E-Auto von Bad Aussee nach Bad Radkersburg

Knapp 1.400 E-Autos gab es Ende letzten Jahres in der Steiermark, damit konnte der Bestand von 2015 auf 2016 fast verdoppelt werden. In Zukunft sollen es weit mehr werden, hoffen Bund und Länder, und werben mit allerlei Zuckerln für E-Auto-Fahrer. Einstweilen bleibt es aber eine Randerscheinung in der Verkehrslandschaft der Steiermark, das Elektroauto. Eine Spurensuche.

1.383 E-Autos waren Ende 2016 in der Steiermark gemeldet, damit liegt die grüne Mark österreichweit an dritter Stelle. Mehr elektrisch betriebene Autos sind nur in Oberösterreich und Niederösterreich unterwegs, dort sind es über 2.000. Im Bundesland mit den wenigsten E-Autos, dem Burgenland, sind es dagegen nur knapp 200.

 

Steiermark im Mittelfeld beim E-Mobility-Anteil

Auf den ersten Blick wirken die Unterschiede zwischen den Bundesländern frappierend. Dass in Niederösterreich mehr als zehnmal so viele E-Autos unterwegs sind wie im Burgenland, ist aber gleich weniger überraschend, wenn man einen Blick auf den KFZ-Gesamtbestand wirft: Denn während im Burgenland nur knapp 200.000 Autos zugelassen sind, sind es in Niederösterreich über eine Million. Aber zurück zur Steiermark: Dort waren Ende 2016 rund 730.000 PKW zugelassen, was dem Bundesland einen E-Mobility-Anteil von 0,19 Prozent bringt. Damit liegt die Steiermark im Mittelfeld, Spitzenreiter ist Vorarlberg mit 0,4 Prozent, Schlusslicht das Burgenland mit 0,1 Prozent.

Rechnet man neben Elektroantrieben auch andere alternative Antriebsmethoden mit ein (FlexFuel, Flüssig- und Erdgas, Bivalent- und Hybridantrieb), so kommt man in der Steiermark auf rund 5.100 Fahrzeuge – das entspricht einem Anteil von nicht einmal 0,7 Prozent am PKW-Gesamtbestand (österreichweit liegt dieser Prozentsatz übrigens mit 0,84% deutlich darüber). Am verbreitetsten sind neben Elektroantrieben Benzin-Elektro-Hybride und sogenannte Flex-Fuel-Antriebe, die neben Benzin auch mit den Alkoholen Methanol und Ethanol sowie Mischungen aus den drei Kraftstoffen betrieben werden können.

 

Bund fördert E-Mobility, Gemeinden spendieren Zuckerl

Die überschaubaren Zahlen elektrisch bzw. alternativ betriebener Fahrzeuge sollen in den kommenden Jahren steigen, deshalb gibt eine bis 2018 anberaumte Ankaufsförderung des Bundes, die dieser Tage anläuft. Mit 4.000 Euro wird beispielsweise der Kauf eines privaten E-PKW subventioniert, auch für Firmen, Vereine und Gemeinden gibt es Fördermodelle. Bis zu 16.000 neue Elektroautos wollen die zuständigen Minister Rupprechter und Leichtfried damit auf Österreichs Straßen bringen. Das wären knapp dreimal so viele wie momentan, rund 0,5 Prozent aller Autos in Österreich wären dann elektrisch betrieben.

Zusätzliche Anreize für den Kauf von Elektro-Autos, die künftig mit grünen Nummerntafeln daherkommen, sollen die Städte und Gemeinden liefern. In der steirischen Landeshauptstadt Graz – übrigens einer von sieben Modellregionen für E-Mobility – sind für E-Auto-Besitzer schon jetzt das Tanken (an Tankstellen der Energie Graz) und Parken gratis, das soll vorerst auch so bleiben.

 

Reichweite als Wachstumsbremse

Neben den vergleichsweise hohen Anschaffungskosten spielen vor allem zwei Faktoren beim langsamen Wachstum der E-Mobilität eine Rolle: Reichweite und verfügbare Ladeinfrastruktur. Zwar konnten die Automobilhersteller in den vergangenen Jahren ordentliche Steigerungen bei den batteriebetriebenen Reichweiten erzielen, dennoch liegen diese immer noch weit hinter jenen konventionell betriebener Autos zurück. Mit Ausnahme von Premium-Hersteller TESLA (dessen Modelle übrigens weit über dem für eine Förderung vom Bund festgesetzten Maximallistenpreis von 50.000 Euro liegen) erreicht kaum E-Auto eine Reichweite von mehr als 250 km, wie Daten der deutschen Autozeitschrift AutoBild zeigen.

Diese Maximalreichweiten verstehen sich als Idealwerte – bei passender Außentemperatur, ohne Heizung/Klimaanlage und bei Fahrten im energiesparendsten Geschwindigkeitsbereich. Einen Trip quer durch die Steiermark, von Bad Ausee nach Bad Radkersburg (das sind 236 km auf der schnellsten Route), würden also die meisten dieser Autos nicht ohne mindestens einen Tankstopp durchhalten.

 

Nicht überall viele Tankstellen

309 E-Tankstellen gibt es in der ganzen Steiermark, die meisten davon in der Landeshauptstadt Graz und im Bezirk Hartberg-Fürstenfeld (jeweils 50). Schlecht bedient ist dagegen unter Umständen, wer im Bezirk Murau dringend Strom tanken muss: Dort bewegt sich die Anzahl an verfügbaren E-Tankstellen im einstelligen Bereich.

 

Fazit

Auf vier elektrisch betriebenen Radln durch die Steiermark – das funktioniert durchaus. Bislang ist E-Mobility aber eher eine Randerscheinung in der grünen Mark, die im Österreich-Vergleich bei PKWs mit alternativen Antrieben auch insgesamt hinterherhinkt. Durchwachsen ist auch die Flächenabdeckung bei der Infrastruktur (E-Tankstellen). Österreichweit 16.000 E-Autos mehr bis 2018 klingt angesichts dessen nach einem ambitionierten Ziel. Hinter anderen EU-Staaten, wo Zulassungen von Autos mit alternativen Antriebsquellen einen höheren einstelligen (teils sogar zweistelligen) Prozentsatz der jeweiligen Gesamtzulassungen ausmachen, bleibt Österreich damit dennoch weit zurück.

 


Daten
Statistik Austria: KFZ-Bestand 2016 (PDF, CSV)
Landesstatistik Steiermark: Bestand von PKW nach Kraftstoffarten bzw. Energiequelle (PDF)
KELAG: E-Tankstellen-Finder (HTML)
European Automobile Manufacturers Association (ACEA): Top 10: alternative fuel vehicle registrations by country in 2016 (HTML)
Eurostat: New registrations of passenger cars, motor coaches, buses and trolley buses, by type of vehicle and alternative motor energy (HTML, PNG)

„Fake Statistics“ in Ramsau

Alternative Fakten würde wohl der aktuelle US-Präsident dazu sagen. „Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast“, lautete einst ein beliebtes Sprichwort, wenn Zahlen und Daten im Spiel waren. Und das gilt auch für das beschauliche Ramsau am Dachstein.

Beim Durchstöbern der Datenberge auf der Statistik Steiermark-Webseite springt eine Rangliste ins Auge: Ausgerechnet jener steirische Tourismus-Hotspot, der nach Graz und Schladming 2014 die meisten Nächtigungen (673.003) verzeichnen konnte, soll im selben Jahr die höchste Arbeitslosigkeit (12,6%) unter allen 287 steirischen Gemeinden gehabt haben: Ramsau am Dachstein, idyllisch am Fuße des höchsten Berges der Steiermark (und Oberösterreichs) auf 1135 Meter Seehöhe gelegen, bietet umfangreiche Möglichkeiten für Winter- und Sommersport, darunter Skifahren, Sommerrodeln, Langlaufen, Golf und einen der größten Klettersteige Österreichs.

Der Bürgermeister von Ramsau am Dachstein, Ernst Fischbacher, kann sich die angeblich höchste Arbeitslosenquote der Steiermark nicht erklären: „Das ist mir so nicht bekannt. Für den Tourismus Arbeitskräfte zu bekommen, ist sehr schwierig, die Gastronomie allgemein hat damit ein Problem. Eine ganzjährige Anstellung wird natürlich bevorzugt, ist aber nur selten im Tourismus möglich.“ Also lieber arbeitslos als nur saisonal als Koch oder Rezeptionist beschäftigt?

Wir haben bei der steirischen Statistikbehörde gefragt, was tatsächlich an der Geschichte dran ist, dass einer der am stärksten frequentierten Tourismusorte die höchste Arbeitslosenrate des Bundeslandes haben soll. Josef Holzer vom Referat für Statistik und Geoinformation der Landesstatistik Steiermark kennt die Antwort: „Bei unseren Gemeinde- und Bezirksdaten auf unserer Homepage handelt es sich immer um den Stichtag 31.10., das heißt die Arbeitslosenquote wird hier nur für den Stichtag 31.10. ausgewertet, was natürlich ein wenig problematisch ist, da vor allem in Tourismusgemeinden die Arbeitslosigkeit genau in diesem Zeitraum (nach der Sommersaison und vor der Wintersaison) erheblich höher ist, als an anderen Stichtagen.“

Datenquellen: Statistik SteiermarkArbeitsmarktservice Gröbming


Die Statistik Steiermark hat auf Grund ihres Auftrages Zugang zur abgestimmten Erwerbsstatistik (AES) des Hauptverbandes, die dem Arbeitsmarktservice (AMS) nicht zur Verfügung stehen. Die AES richtet sich nicht nach der internationalen Definition (Labour-Fource-Konzept) von Erwerbsarbeit, sondern sondern nach der nationalen. Diese ist registerbasierend und weist aufgrund ihrer Berechnung meist höhere Arbeitslosenquoten aus als die internationale.

Das heißt also, die Daten der Statistik Steiermark sind verzerrt und nur mit Vorsicht zu genießen. Deshalb haben wir beim Arbeitsmarktservice (AMS) nachgefragt. Über das gesamte Jahr betrachtet hat nicht der Tourismusort Ramsau, sondern die Landeshauptstadt Graz mit 13,2 Prozent die höchste Arbeitslosenquote in der Steiermark. Auf welchem Platz Ramsau wirklich liegt, ist schwierig zu eruieren: „Dem AMS stehen keine Beschäftigtendaten auf Gemeindekennziffer-Ebene zur Verfügung, nur auf Arbeitsmarktbezirksebene, deshalb können wir auf dieser Ebene keine Quoten bilden“, sagt Marco de Brito e Cunha, der beim AMS Steiermark für Statistik verantwortlich ist.

Nimmt man die durchschnittliche Arbeitslosenzahl des AMS für Ramsau her und bildet mit den Beschäftigtendaten der Statistik Steiermark eine Arbeitslosenquote, dann ergibt sich ein realitätsnäheres Bild: 8,6 statt 12,6 Prozent Arbeitslosigkeit. Damit lag Ramsau am Dachstein 2014 sogar fast zwei Prozentpunkte unter der steirischen Arbeitslosenquote von 10,5 Prozent und statt am Ende der Rangliste sogar im besseren Mittelfeld.

Datenquellen: Statistik Austria, Arbeitsmarktservice Gröbming


Die Ski-WM produziert Arbeitslose? Während in Österreich die Arbeitslosigkeit in den letzten Jahren gestiegen ist, hat sie in Ramsau am Dachstein eine rückläufige Tendenz. In Schladming ist der große Sprung von 2014 auf 2015 nicht mit der Ski-WM 2013 zu erklären, sondern mit der Gemeindezusammenlegung von Pichl-Preunegg und Rohrmoos-Untertal, die mit 1. Jänner 2015 im Zuge der Steiermärkischen Gemeindestrukturreform wirksam wurde.

Weitere soziodemografischen Daten und Statistiken stehen wunderbar aufbereitet unter „Steirische Vielfalt visualisiert“ bereit.

Schladming gewinnt, Ramsau verliert

Zwei der wichtigsten Gradmesser, um herauszufinden, wie sich eine Tourismusgemeinde langfristig entwickelt, sind die Zahl der Gästeankünfte aus dem In- und Ausland sowie die Anzahl der Übernachtungen.

Beim Erfolgsbeispiel Schladming haben sich in den vergangenen 20 Jahren die Gästeankünfte mehr als verdoppelt, genauer gesagt um 127 Prozent von 167.194 Besuchern 1995 auf 380.171 im Jahr 2015. Auch die Nächtigungen haben in der „Plainai-Stadt“ im selben Zeitraum immerhin noch um mehr als die Hälfte, und zwar um 64 Prozent von 944.772 auf 1.550.166 zugenommen. Damit ist Schladming noch vor der Landeshauptstadt Graz und dem Nachbarort Ramsau am Dachstein Nummer eins im direkten Vergleich mit 287 Gemeinden der Steiermark.

Zurückzuführen sind diese Topwerte unter anderem auf das seit 1997 jährlich stattfindende Nachtrennen der Herren im alpinen Ski-Weltcup, das bis zu 50.000 Besucher nach Schladming lockt und im öffentlich-rechtlichen Fernsehen für hohe Einschaltquoten zur Prime Time sorgt. Zum anderen hat auch die Austragung der alpinen Ski-Weltmeisterschaft 2013 dem Wintersportort Schladming zu neuen Höhenflügen verholfen: Plus 25 Prozent bei den Gästeankünften und plus 17 Prozent bei den Nächtigungen kann Schladming seit den internationalen Wettkämpfen vor drei Jahren bis zum Jahr 2015 verbuchen.

Doch können auch kleinere Gemeinden im Umkreis von den medialen Großveranstaltungen profitieren bzw. etwas vom Erfolgskuchen mitnaschen? Laut Ernst Fischbacher, Bürgermeister der Schladminger Nachbargemeinde Ramsau am Dachstein „sehr, da die Kameraeinstellungen in Richtung Ramsau am Dachstein positioniert waren“.

Doch schlägt sich diese mediale Präsenz des kleinen Bruders auch in den Tourismuszahlen nieder? Seit der Ski-Weltmeisterschaft im Nachbarort sind bis 2015 etwa 9,5 Prozent mehr Touristen nach Ramsau gekommen. Bei den Übernachtungen lässt sich für den selben Zeitraum jedoch nur ein Plus von einem Prozent verzeichnen. Damit hat Ramsau entgegen der Einschätzung seines Bürgermeisters tatsächlich nur leicht von dem sportlich-medialen Großereignis und den angeführten Livebildern auf das Gemeindegebiet profitieren können. Was die Beschäftigung betrifft, so sieht Maria Erhart, Leiterin der für Schladming und Ramsau zuständigen AMS-Zweigstelle, keinen großen Effekte der Ski-WM auf die beiden Orte: „Das zeigen auch andere Untersuchungen (siehe Forschungsnetzwerk und Literatur in Deutschland), die sich mit Auswirkungen von Großprojekten wie Weltmeisterschaft und Olympia beschäftigen.“

Im nationalen Vergleich hat Ramsau am Dachstein bei Ankünften und Nächtigungen eine ähnliche Entwicklung wie Österreich, Schladming kann sich bei beiden Indikatoren deutlich abheben:

Blickt man in den Datenbergen weiter zurück, dann fällt vor allem eines auf: Ramsau hat seine besten Jahre lange hinter sich, zumindest was den Nächtigungsrekord anbelangt. Den hat es bereits 1980 mit 896.335 Übernachtungen gegeben. Seither ist es um fast 24 Prozent oder absolut 212.955 Nächtigungen bis zum Jahr 2015 bergab gegangen. Ein Strukturproblem? „Sicher nicht“, meint Bürgermeister Fischbacher. „Das Urlaubsverhalten unserer Gäste hat sich vom Sommerfrischler, der oft 14 Tage oder noch länger in der Ramsau am Dachstein war, zum Ganzjahrestouristen, der über Internet oder sonstige Plattformen kurzfristig je nach Wetterlage und freier Zeit einbucht.“

Während Schladming in den vergangenen 20 Jahren starke Zuwachsraten bei Nächtigungen (plus 64 Prozent) und Ankünften (plus 127 Prozent) verzeichnen konnte, hinkt der Nachbarort Ramsau am Dachstein dieser Entwicklung hinterher: Bei den Nächtigungen gibt es seit 1996 sogar ein sattes Minus von zwölf Prozent, obwohl die Ankünfte im selben Zeitraum um 53 Prozent gestiegen sind.

Datenquellen: Statistik Steiermark, Statistik Österreich

Die steirische Wirtschaft wird grüner

Die „grüne Wirtschaft“ in der Steiermark wächst. Damit werden Arbeitsplätze geschaffen und die Umwelt geschont. Die alten Vorurteile – Umweltschutz koste nur Geld, bremse die Wirtschaft und verhindere neue Jobs – haben ihre Berechtigung verloren.

Der Weltklimavertrag in Paris vom Dezember 2015 wurde noch am Tag des Beschlusses als historischer Erfolg gefeiert. Das Erreichen der Kernziele des Vertrages soll die Treibhausgas-Emissionen bis 2050 um 80 Prozent senken.

Das Land Steiermark hat bereits 2010 seinen eigenen Klimaschutzplan veröffentlicht. Den Fokus setzen die Autoren ebenfalls auf die Reduktion der Emissionen, allerdings um 90 Prozent, die vor allem mit einer Umstellung der Wirtschaft erreicht werden sollen: „Diese Herausforderungen sind so hoch, dass die EU von einer ’neuen industriellen Revolution‘ spricht“, schreiben sie. Deshalb müssten die Innovationsziele schon jetzt in allen Wirtschaftsbereichen diese neuen Anforderungen berücksichtigen.

Öko-Wirtschaft wuchs um 8,4 Prozent

„Dazu muss man das alte Vorurteil loswerden, dass der Umweltschutz nur Geld und Jobs kostet“, erklärt Josef Behofsics. Er ist im österreichischen Umweltministerium (BMLFUW) für den betrieblichen Umweltschutz zuständig. Der Wahrheit entspreche diese Behauptung nämlich schon lange nicht mehr. Das sähe man auch an der Entwicklung der Umweltwirtschaft. Diese wird seit 2008 in Zahlen gemessen und an denen lässt sich erkennen, dass die grüne Wirtschaft in der Steiermark durchaus erfolgreich ist.

Demnach ist die Umweltwirtschaft in der Steiermark von 2008 bis 2011 um 8,4 Prozent gewachsen. Trotz der Wirtschaftskrise, betont Behofsics, und obwohl es 2009 einen deutlichen Einbruch gab. Im Vergleich dazu ist das Bruttoregionalprodukt um 5,1 Prozent gewachsen. Am meisten erwirtschaftet hat die Kategorie „Herstellung von Waren“ mit einem Umsatz von über zwei Milliarden Euro. Dazu zählen beispielsweise die Entwicklung und Produktion von umweltfreundlichen Technologien, etwa zur Energiegewinnung.

Die Daten werden von der Statistik Austria seit 2008 für ganz Österreich und auch jeweils für die Bundesländer erhoben. Dabei folgt sie den Standards, die vom EU-Statistikdienst Eurostat vorgegeben werden. Die Environmental Goods and Services Sector“ -Messungen (EGSS) umfassen alle Tätigkeiten zur Messung, Vermeidung, Verringerung, Beschränkung oder Behebung von Umweltschäden. Dazu gehören auch die Verwendung und Entwicklung umweltschonender bzw. weniger umweltschädlicher Technologien, Verfahren und Produkte, die die Umweltrisiken verringern und die Umweltverschmutzung auf ein Mindestmaß beschränken.

Bei den Messungen gäbe es in Österreich aber auch teilweise pragmatische Entscheidungen, sagt Behofsics: „Es lässt sich etwa nicht immer klar sagen, was nun ein ‚Green-Job‘ ist und zur grünen Wirtschaft gehört. Allgemein gilt, eine Tätigkeit muss zu einem überwiegenden Teil der Umwelt nützen. Der Posten des Umweltministers wird bei der Messung zum Beispiel nur als ein halber Green-Job gezählt.“

Wachsender Arbeitsmarkt

Nicht nur der Umsatz wächst, auch die Beschäftigung in der steirischen grünen Wirtschaft steigt stetig an. Zwischen 2008 und 2011 verzeichnete die Statistik Austria hier einen Zuwachs von 6,6 Prozent, das entspricht über 1 800 Jobs. Vorreiter war 2011 der Staat, der 890 der insgesamt 29 549 grünen Arbeitnehmer beschäftigte.

„Was den Umweltschutz anbelangt, ist Österreich ein Musterland“, sagt Josef Behofsics. Österreichweit sei 2013 bereits jeder 20. Arbeitsplatz ein Green-Job gewesen. Im Vergleich zur Gesamtwirtschaft sei die Beschäftigungszahl in der Umweltwirtschaft um das Fünffache gestiegen und der erwirtschaftete Umsatz machte 12 Prozent des österreichischen Bruttoinlandsprodukts aus.

Was die Verlässlichkeit der erhobenen Daten betrifft, stuft Behofsics sie als vertrauenswürdig ein. Die Zahlen entsprächen auch den Einschätzungen des Bundesministeriums und seien realistisch. Eine Beeinflussung der Ergebnisse, etwa durch falsche Angaben oder Aussagen der Firmen, hält er für ausgeschlossen: „Nein, das geht mit Sicherheit nicht. Dafür sorgen die Vorgaben der EU und die genaue Überprüfung durch die Statistik Austria.“

Die von Behofsics erwähnte Behauptung, die Umwelt koste nur Geld, ist nicht nur falsch in Hinblick auf die Einnahmen der Umweltwirtschaft, sondern auch, wenn man beachtet, wie viel das Land Steiermark für den Umweltschutz ausgibt. Laut Landesrechnungsabschluss beliefen sich die Ausgaben für den Umweltschutz 2011 auf 22,6 Millionen Euro. Das sind geringe 0,4 Prozent des erzielten Umsatzes der grünen Wirtschaft im selben Jahr.

Die Umweltwirtschaft gewinnt in der Steiermark also an Boden. Behofsics sieht in allen Branchen der grünen Wirtschaft „noch großes Potenzial“. Luft nach oben, ist ja bekanntlich immer.


 

Werkstattbericht:

Daten:
Meine Daten habe ich von der Statistik Austria: http://www.statistik.at/web_de/statistiken/energie_umwelt_innovation_mobilitaet/energie_und_umwelt/umwelt/umweltorientierte_produktion_und_dienstleistung/index.html

Ich habe sie bereits in fix und fertig verwendbarer Form in einem Excel Dokument heruntergeladen. Ein Säubern oder sonstiges war nicht notwendig, ich habe mir die einzelnen Kategorien zum Arbeiten lediglich in einem neuen Blatt zusammenkopiert.

Die Tabellen schlüsseln für die beiden Größen Umsatz und Beschäftigung genau auf, mit welchen Bereichen die unterschiedlichen Branchen wie viel Gewinn erwirtschaftet haben bzw. wie viele Menschen dort beschäftigt sind.

Zur Verlässlichkeit und Richtigkeit der Daten habe ich Dr. Josef Behofsics, Abteilung betrieblicher Umweltschutz des Ministeriums für Land- und Forst, Umwelt- und Wasserwirtschaft, befragt. Er versicherte mir, dass es sich dabei um sorgfältig erhobene Daten handelt. Allerdings sagte er auch, dass die Statistik Austria auch dem Ministerium gegenüber nicht alle ihre Methoden offen legt. Doch die Zahlen seien nachvollziehbar. Außerdem ist die Statistik Austria in Österreich ein verlässlicher und anerkannter Lieferant für Statistiken.

Arbeitsschritte:
Zuallererst habe ich meine Diagramme mit Excel erstellt. Eines für Umsatz Gesamt, Beschäftigung Gesamt, Umsatz nach Branche und Beschäftigung nach Branche. Allerdings fand ich sie optisch nicht sehr schön und wollte gerne etwas Interaktives. Also habe ich mir eine Testversion von Tableau heruntergeladen. Nach zwei erfolglosen Stunden habe ich Tableau wieder aufgegeben und meine Diagramme mit Datawrapper neu gemacht. Allerdings konnte man sie hier mit einem Gratis-Account nicht exportieren. Auf Anraten von Julian habe ich um einen pro-bono Account angefragt. Dieser wurde auch genehmigt, ist aber noch nicht freigeschalten. Also bin ich nochmals umgestiegen und habe nun alle Charts mit infogr.am gemacht. Dienstags habe ich nochmals zwei Stunden mit Tableau experimentiert, leider ohne sehenswertes Ergebnis. Die Tableau-Grafik von Julian konnte ich leider nicht exportieren, das geht wohl auch nur mit einem Bezahl-Account.

In Excel habe ich mir das Umsatz- und Beschäftigungswachstum in Prozent ausgerechnet sowie das Wachstum des Bruttoregionalprodukts (die Zahlen dazu kommen von der Landesstatistik Steiermark) und das Beschäftigungswachstum in Arbeitsplätze. Außerdem habe ich aus den Landesabrechnungsbüchern die Umweltschutzausgaben von 2008 bis 2011 rausgefiltert und ausgerechnet, wie viel Prozent des Umsatzes sie ausmachen.

Auf der Suche nach einem Ansprechpartner telefoniere ich mit mehreren Studiengängen der BOKU Wien, leider kann mir dort niemand weiterhelfen. Also versuche ich es beim Umweltministerium. Nach mehreren Weiterleitungen erreiche ich Dr. Josef Behofsics, der die EGSS Messungen seit 2008 begleitet und meine Fragen beantwortet.

Herausforderungen:
Die Herausforderungen waren bei mir eher technischer Natur. Ich habe keine Übung mit Excel oder sonstigen Datenverarbeitungsprogrammen. Schon das Erstellen von Charts in Excel hat daher einige Zeit in Anspruch genommen. Mit den online Programmen hat das weitaus einfacher funktioniert und sie sind noch dazu interaktiv. Mit Tableau hatte ich keinen Erfolg, trotz Tutorials und Julians Vorbild.

Quellen: