Letzte Ruhestätte für Christbäume

Jedes Jahr wieder, knapp nach Weihnachten, wenn der geschmückte Baum anfängt, seine Nadeln zu lassen, stellt sich die Frage: Wohin mit ihm? In Graz gibt es 65 Christbaumsammelstellen, an denen wir Weihnachten entsorgen können.

Ruhestätte

Neigt sich die Weihnachtszeit dem Ende zu, sind Christbaumbesitzer auf der Suche nach einer Ruhestätte für ihren Baum. Dieser verteilt nämlich, vor der Heizung langsam dörrend, seine Nadeln im gesamten Domizil. In Graz gibt es 65 Friedhöfe für Weihnachtsbäume, sogenannte Christbaumsammelstellen. Pro Weihnachtsfest müssen sie durchschnittlich Platz für über Tausend Bäume finden; wobei mit Durchschnitten hier schwer zu kalkulieren ist, denn, wie die folgende Karte zeigt, verteilen sich die Christbaumsammelstellen keineswegs gleichmäßig über die Stadt.

Es zeigt sich: Nicht jeder hat es gleich weit zu seiner persönlichen Christbaumsammelstelle. In einigen Bezirken finden sich bis zu acht Sammelstellen (Lend), in anderen weit weniger. Die beiden größten Bezirke, Andritz und Mariatrost, haben nur zwei bzw. eine Sammelstelle; der Bezirk Innere Stadt ist sogar christbaumsammelstellenlos. Die folgende Karte zeigt, wie viele Einwohner eines Bezirks sich eine Sammelstelle teilen. Die hellgrün eingefärbten Bezirke liegen unter dem Durchschnitt von 4.000 Einwohnern pro Sammelstelle, die dunklen darüber.

Das bedeutet nun aber nicht, dass ein besonders eifriger (oder von Nadeln in der Wohnung geplagter) Christbaumbesitzer nicht auch Bezirksgrenzen überwinden kann. Allgemein heißt es aber: Je weiter draußen man wohnt, desto weiter ist’s bis zum nächsten Bäume-Friedhof. Ein Sammelstellen-Ring befindet sich rund um die Innenstadt:

In diesem Sinne: Fröhliches Ausmisten! Sämtliche Daten stammen von der Daten-Plattform der Stadt Graz.

Wenn aus Daten Geschichten werden: Prozesse im Datenjournalismus

Ein Datenjournalist arbeitet anders. Während ein anderer Journalist seine täglichen Geschichten im Alleingang schreibt, ist ein Datenjournalist mit größeren Projekten beschäftigt –  Datensammeln, Sortieren, Geschichten finden und diese visualisieren passiert nicht an einem Tag. Hinzu kommt: Er arbeitet nicht allein. Das Data Journalism Handbook gewährt einen Einblick, wie BBC, The Guardian und Zeit Online ihre Teams und Datengeschichten organisieren.

Datenjournalismus, also die Interpretation und Visualisierung von Daten im journalistischen Stil, gibt es schon solange es Medien gibt. Den aktuellen Daten-Hype beflügeln allerdings zwei Gegebenheiten: Erstens die Trends, Daten offen zu legen. Die Open Government-Bewegung sowie das Bestreben einzelner Unternehmen, Daten zugänglich zu machen haben ebenso dazu beigetragen, wie die Veröffentlichungen von Wikileaks seit 2007. Zweitens stehen heute die nötigen technischen Tools zur Verfügung, um Daten für den Einzelnen ansprechend zu visualisieren.

BBC

Das Datenjournalismus-Team der BBC besteht aus 20 Journalisten, Designern und Entwicklern, die das gesamte Datenprojekt vom Datensammeln und -interpretieren über Visualisierungen bis hin zu interaktiven und multimedialen Inhalten betreuen. Sie verfolgen dabei drei Hauptziele: Sie wollen Service für den Leser bereitstellen, eine neue Geschichte erzählen und ein komplexes Thema auf eine verständliche Art präsentieren.

Die zu verarbeitenden Daten stammen dabei aus verschiedenen Quellen; einerseits sind es öffentliche Daten (Stichwort „Opnen Government“) wie auch solche, die noch nicht allgemein zugänglich sind, also erst gesammelt oder veröffentlicht werden müssen. Die weitere Arbeit ist nicht strikt zwischen Journalisten und Designern geteilt; jeder versucht die Arbeit des anderen zu verstehen und sich weiterzuentwickeln. Somit fallen die Datenjournalisten bei der BBC allesamt in die Sparte „visual journalists“.

Zur Verwirklichung der Geschichten verwenden die Journalisten eine Vielzahl von Tools: Sie ordnen und arrangieren die Daten etwa mit Excel, Google Docs und Fusion Tables. ActionScript, Python und Perl sind Programmiersprachen mit denen die Designer die Daten visualisieren; Google Maps dient für geografische Daten. Für komplexere Grafiken steht die Adobe Suite zur Verfügung, wobei sie Flash soweit als möglich vermeiden.

The Guardian

The Guardian arbeitet auf zwei Arten mit Daten: Im Datastore werden Rohdaten publiziert. Dazu gehören Daten, die von öffentlichem Interesse sind, wie jene von der Regierung, oder von Bildung und Kultur. Im Datablog erzählen die Journalisten dann die dazugehörigen Geschichten mittels Visualisierungen etc.

Das entspricht auch dem Selbstverständnis der Guardian-Journalisten: Sie wollen weniger Gatekeeper sein, sondern jemand, der die ungefilterte Information zur Verfügung stellt und mit ausgewählten Teilen davon eine Geschichte erzählt. Ausschlaggebend für dieses Selbstverständnis seien die „WikiLeaks war logs“ 2010 gewesen. Deren Aufarbeitung hat dem Datenjournalismus beim Guardian einen solchen Aufschwung gegeben, dass die Datenjournalisten sich heute beispielsweise nicht mehr ein Büro mit den Grafikern teilen, sondern näher an die Reporter gerückt sind.

Gearbeitet wird mit einer Vielzahl von Tools, wobei das Datensammeln hauptsächlich in Excel und einfache Visualisierungen mit Google-Tools passieren. Für komplexere Aufgaben gibt es ein eigenes Design-Team. Den eignen Arbeitsprozess vom Sammeln der Daten bis hin zur fertigen Geschichte haben sie in einer Grafik veranschaulicht:

 

Zeit Online

Eine der ersten Datengeschichten bei Zeit Online zum Pisa-Wohlstandsvergleich entstand in einer Zusammenarbeit von einem Journalisten- und einem Design-Team. Während die Journalisten Daten aufarbeiteten und in eine Geschichte packten, hatte das Desing-Team die Aufgabe, sie zu veranschaulichen. Zusätzlich holten sich die Journalisten Hilfe vom Open Data Network. Das so vermittelte know-how konnten die Journalisten für die künftigen Projekte einsetzen, die so schneller und geordneter verliefen. Die beiden Teams rückten näher aneinander.

Einer der Hauptgründe, warum Datenjournalismus derzeit boomt, sieht das Zeit Online-Team in der Reichweite, die solche Projekte haben. Gerade durch die Kompatibilität mit Social Media und die einfache Bedienung ziehen sie viele neue Leser auf die Seiten. Hinzu kommt, dass datenjournalistische Projekte leicht in andere Sprache übersetzt werden können. Eine Offenlegung der dahinterstehenden Daten ist Zeit Online noch nicht so wichtig wie beispielsweise The Guardian, könnte aber in Zukunft eine größere Rolle spielen.