Schladming gewinnt, Ramsau verliert

Zwei der wichtigsten Gradmesser, um herauszufinden, wie sich eine Tourismusgemeinde langfristig entwickelt, sind die Zahl der Gästeankünfte aus dem In- und Ausland sowie die Anzahl der Übernachtungen.

Beim Erfolgsbeispiel Schladming haben sich in den vergangenen 20 Jahren die Gästeankünfte mehr als verdoppelt, genauer gesagt um 127 Prozent von 167.194 Besuchern 1995 auf 380.171 im Jahr 2015. Auch die Nächtigungen haben in der „Plainai-Stadt“ im selben Zeitraum immerhin noch um mehr als die Hälfte, und zwar um 64 Prozent von 944.772 auf 1.550.166 zugenommen. Damit ist Schladming noch vor der Landeshauptstadt Graz und dem Nachbarort Ramsau am Dachstein Nummer eins im direkten Vergleich mit 287 Gemeinden der Steiermark.

Zurückzuführen sind diese Topwerte unter anderem auf das seit 1997 jährlich stattfindende Nachtrennen der Herren im alpinen Ski-Weltcup, das bis zu 50.000 Besucher nach Schladming lockt und im öffentlich-rechtlichen Fernsehen für hohe Einschaltquoten zur Prime Time sorgt. Zum anderen hat auch die Austragung der alpinen Ski-Weltmeisterschaft 2013 dem Wintersportort Schladming zu neuen Höhenflügen verholfen: Plus 25 Prozent bei den Gästeankünften und plus 17 Prozent bei den Nächtigungen kann Schladming seit den internationalen Wettkämpfen vor drei Jahren bis zum Jahr 2015 verbuchen.

Doch können auch kleinere Gemeinden im Umkreis von den medialen Großveranstaltungen profitieren bzw. etwas vom Erfolgskuchen mitnaschen? Laut Ernst Fischbacher, Bürgermeister der Schladminger Nachbargemeinde Ramsau am Dachstein „sehr, da die Kameraeinstellungen in Richtung Ramsau am Dachstein positioniert waren“.

Doch schlägt sich diese mediale Präsenz des kleinen Bruders auch in den Tourismuszahlen nieder? Seit der Ski-Weltmeisterschaft im Nachbarort sind bis 2015 etwa 9,5 Prozent mehr Touristen nach Ramsau gekommen. Bei den Übernachtungen lässt sich für den selben Zeitraum jedoch nur ein Plus von einem Prozent verzeichnen. Damit hat Ramsau entgegen der Einschätzung seines Bürgermeisters tatsächlich nur leicht von dem sportlich-medialen Großereignis und den angeführten Livebildern auf das Gemeindegebiet profitieren können. Was die Beschäftigung betrifft, so sieht Maria Erhart, Leiterin der für Schladming und Ramsau zuständigen AMS-Zweigstelle, keinen großen Effekte der Ski-WM auf die beiden Orte: „Das zeigen auch andere Untersuchungen (siehe Forschungsnetzwerk und Literatur in Deutschland), die sich mit Auswirkungen von Großprojekten wie Weltmeisterschaft und Olympia beschäftigen.“

Im nationalen Vergleich hat Ramsau am Dachstein bei Ankünften und Nächtigungen eine ähnliche Entwicklung wie Österreich, Schladming kann sich bei beiden Indikatoren deutlich abheben:

Blickt man in den Datenbergen weiter zurück, dann fällt vor allem eines auf: Ramsau hat seine besten Jahre lange hinter sich, zumindest was den Nächtigungsrekord anbelangt. Den hat es bereits 1980 mit 896.335 Übernachtungen gegeben. Seither ist es um fast 24 Prozent oder absolut 212.955 Nächtigungen bis zum Jahr 2015 bergab gegangen. Ein Strukturproblem? „Sicher nicht“, meint Bürgermeister Fischbacher. „Das Urlaubsverhalten unserer Gäste hat sich vom Sommerfrischler, der oft 14 Tage oder noch länger in der Ramsau am Dachstein war, zum Ganzjahrestouristen, der über Internet oder sonstige Plattformen kurzfristig je nach Wetterlage und freier Zeit einbucht.“

Während Schladming in den vergangenen 20 Jahren starke Zuwachsraten bei Nächtigungen (plus 64 Prozent) und Ankünften (plus 127 Prozent) verzeichnen konnte, hinkt der Nachbarort Ramsau am Dachstein dieser Entwicklung hinterher: Bei den Nächtigungen gibt es seit 1996 sogar ein sattes Minus von zwölf Prozent, obwohl die Ankünfte im selben Zeitraum um 53 Prozent gestiegen sind.

Datenquellen: Statistik Steiermark, Statistik Österreich

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