Mit dem E-Auto von Bad Aussee nach Bad Radkersburg

Knapp 1.400 E-Autos gab es Ende letzten Jahres in der Steiermark, damit konnte der Bestand von 2015 auf 2016 fast verdoppelt werden. In Zukunft sollen es weit mehr werden, hoffen Bund und Länder, und werben mit allerlei Zuckerln für E-Auto-Fahrer. Einstweilen bleibt es aber eine Randerscheinung in der Verkehrslandschaft der Steiermark, das Elektroauto. Eine Spurensuche.

1.383 E-Autos waren Ende 2016 in der Steiermark gemeldet, damit liegt die grüne Mark österreichweit an dritter Stelle. Mehr elektrisch betriebene Autos sind nur in Oberösterreich und Niederösterreich unterwegs, dort sind es über 2.000. Im Bundesland mit den wenigsten E-Autos, dem Burgenland, sind es dagegen nur knapp 200.

 

Steiermark im Mittelfeld beim E-Mobility-Anteil

Auf den ersten Blick wirken die Unterschiede zwischen den Bundesländern frappierend. Dass in Niederösterreich mehr als zehnmal so viele E-Autos unterwegs sind wie im Burgenland, ist aber gleich weniger überraschend, wenn man einen Blick auf den KFZ-Gesamtbestand wirft: Denn während im Burgenland nur knapp 200.000 Autos zugelassen sind, sind es in Niederösterreich über eine Million. Aber zurück zur Steiermark: Dort waren Ende 2016 rund 730.000 PKW zugelassen, was dem Bundesland einen E-Mobility-Anteil von 0,19 Prozent bringt. Damit liegt die Steiermark im Mittelfeld, Spitzenreiter ist Vorarlberg mit 0,4 Prozent, Schlusslicht das Burgenland mit 0,1 Prozent.

Rechnet man neben Elektroantrieben auch andere alternative Antriebsmethoden mit ein (FlexFuel, Flüssig- und Erdgas, Bivalent- und Hybridantrieb), so kommt man in der Steiermark auf rund 5.100 Fahrzeuge – das entspricht einem Anteil von nicht einmal 0,7 Prozent am PKW-Gesamtbestand (österreichweit liegt dieser Prozentsatz übrigens mit 0,84% deutlich darüber). Am verbreitetsten sind neben Elektroantrieben Benzin-Elektro-Hybride und sogenannte Flex-Fuel-Antriebe, die neben Benzin auch mit den Alkoholen Methanol und Ethanol sowie Mischungen aus den drei Kraftstoffen betrieben werden können.

 

Bund fördert E-Mobility, Gemeinden spendieren Zuckerl

Die überschaubaren Zahlen elektrisch bzw. alternativ betriebener Fahrzeuge sollen in den kommenden Jahren steigen, deshalb gibt eine bis 2018 anberaumte Ankaufsförderung des Bundes, die dieser Tage anläuft. Mit 4.000 Euro wird beispielsweise der Kauf eines privaten E-PKW subventioniert, auch für Firmen, Vereine und Gemeinden gibt es Fördermodelle. Bis zu 16.000 neue Elektroautos wollen die zuständigen Minister Rupprechter und Leichtfried damit auf Österreichs Straßen bringen. Das wären knapp dreimal so viele wie momentan, rund 0,5 Prozent aller Autos in Österreich wären dann elektrisch betrieben.

Zusätzliche Anreize für den Kauf von Elektro-Autos, die künftig mit grünen Nummerntafeln daherkommen, sollen die Städte und Gemeinden liefern. In der steirischen Landeshauptstadt Graz – übrigens einer von sieben Modellregionen für E-Mobility – sind für E-Auto-Besitzer schon jetzt das Tanken (an Tankstellen der Energie Graz) und Parken gratis, das soll vorerst auch so bleiben.

 

Reichweite als Wachstumsbremse

Neben den vergleichsweise hohen Anschaffungskosten spielen vor allem zwei Faktoren beim langsamen Wachstum der E-Mobilität eine Rolle: Reichweite und verfügbare Ladeinfrastruktur. Zwar konnten die Automobilhersteller in den vergangenen Jahren ordentliche Steigerungen bei den batteriebetriebenen Reichweiten erzielen, dennoch liegen diese immer noch weit hinter jenen konventionell betriebener Autos zurück. Mit Ausnahme von Premium-Hersteller TESLA (dessen Modelle übrigens weit über dem für eine Förderung vom Bund festgesetzten Maximallistenpreis von 50.000 Euro liegen) erreicht kaum E-Auto eine Reichweite von mehr als 250 km, wie Daten der deutschen Autozeitschrift AutoBild zeigen.

Diese Maximalreichweiten verstehen sich als Idealwerte – bei passender Außentemperatur, ohne Heizung/Klimaanlage und bei Fahrten im energiesparendsten Geschwindigkeitsbereich. Einen Trip quer durch die Steiermark, von Bad Ausee nach Bad Radkersburg (das sind 236 km auf der schnellsten Route), würden also die meisten dieser Autos nicht ohne mindestens einen Tankstopp durchhalten.

 

Nicht überall viele Tankstellen

309 E-Tankstellen gibt es in der ganzen Steiermark, die meisten davon in der Landeshauptstadt Graz und im Bezirk Hartberg-Fürstenfeld (jeweils 50). Schlecht bedient ist dagegen unter Umständen, wer im Bezirk Murau dringend Strom tanken muss: Dort bewegt sich die Anzahl an verfügbaren E-Tankstellen im einstelligen Bereich.

 

Fazit

Auf vier elektrisch betriebenen Radln durch die Steiermark – das funktioniert durchaus. Bislang ist E-Mobility aber eher eine Randerscheinung in der grünen Mark, die im Österreich-Vergleich bei PKWs mit alternativen Antrieben auch insgesamt hinterherhinkt. Durchwachsen ist auch die Flächenabdeckung bei der Infrastruktur (E-Tankstellen). Österreichweit 16.000 E-Autos mehr bis 2018 klingt angesichts dessen nach einem ambitionierten Ziel. Hinter anderen EU-Staaten, wo Zulassungen von Autos mit alternativen Antriebsquellen einen höheren einstelligen (teils sogar zweistelligen) Prozentsatz der jeweiligen Gesamtzulassungen ausmachen, bleibt Österreich damit dennoch weit zurück.

 


Daten
Statistik Austria: KFZ-Bestand 2016 (PDF, CSV)
Landesstatistik Steiermark: Bestand von PKW nach Kraftstoffarten bzw. Energiequelle (PDF)
KELAG: E-Tankstellen-Finder (HTML)
European Automobile Manufacturers Association (ACEA): Top 10: alternative fuel vehicle registrations by country in 2016 (HTML)
Eurostat: New registrations of passenger cars, motor coaches, buses and trolley buses, by type of vehicle and alternative motor energy (HTML, PNG)

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