Die Löhne, die Autos und der Wohlstand

In Graz und den Umlandbezirken der Stadt wird mehr verdient als in den Randbezirken. Gleichzeitig gibt es in den „ärmsten“ Bezirken der Steiermark die meisten Autos, und das, obwohl eine hohe KFZ-Dichte oft als Wohlstandsmerkmal erachtet wird. Viele Autos, wenig Kohle. Woher kommt das?

Nicht überall in der Steiermark verdient man gleich viel. In den Bezirken rund um die Grazer Landeshauptstadt liegt der durchschnittliche Bruttojahresverdienst deutlich über 30.000 Euro, am meisten verdient man durchschnittlich im Grazer Speckgürtel, dem Bezirk Graz-Umgebung. Dort ist das Durchschnittsgehalt pro Jahr mit rund 34.000 Euro über 4.000 Euro höher als in der Hauptstadt.

Deutlich weniger verdient man in den steirischen Randbezirken – in Liezen und Murau im Westen sowie in den Bezirken Weiz, Hartberg-Fürstenfeld, Südoststeiermark und Leibnitz im Süden und Osten liegen die durchschnittlichen Jahresgehälter überall unter 30.000.

 

Wenig Kohle, viele Autos

Just in diesen „ärmeren“ Regionen der Steiermark, besonders im Süden und Osten, ist ein Trend zu beobachten, der international eigentlich als Wohlstandszeichen gewertet wird: eine hohe KFZ-Dichte. Diese Zahl bezeichnet, wie viele Personen- und Kombinationskraftwagen auf 1.000 Einwohner kommen, und ist in der Steiermark generell nicht niedrig. Mit Ausnahme der Bezirke Murtal, Leoben, Bruck-Mürzzuschlag und Graz-Stadt (dort kommt überhaupt in etwa ein Auto auf zwei Bewohner), liegt die KFZ-Dichte in der gesamten Steiermark zumindest bei 900 Autos auf 1.000 Einwohner oder knapp darunter.

Besonders viele Autos gibt es allerdings südlich und östlich von Graz: In Deutschlandsberg, Leibnitz und Weiz sind es zwischen 950 und 1.000 Autos pro 1.000 Einwohner. Und in Hartberg-Fürstenfeld und der Südoststeiermark gibt es sogar schon mehr KFZ als Einwohner (Dichte: 1.027 bzw. 1.015 KFZ).

 

Stadt-Land-Unterschied

Die meisten Autos in den ärmsten Bezirken: Wie passen niedriger Durchschnittslohn und das „Wohlstandszeichen“ hohe KZF-Dichte zusammen? „Regionale Unterschiede (besonders zwischen dem ländlichen und städtischen Bereich) [können] in wohlhabenden Staaten wie Österreich durchaus andere Hintergründe haben“, erklärt die Landesstatistik Steiermark. Dazu zählen die Altersstruktur in betroffenen Gebieten, die Verfügbarkeit von öffentlichen Verkehrsmitteln, die vorhandenen Parkmöglichkeiten und -kosten, Länge der Wege usw.

Am Fall der südöstlichen Steiermark wird dieser Stadt-Land-Unterschied gut ersichtlich: Mit Ausnahme der Stadt Feldbach gibt es in den Bezirken Hartberg-Fürstenfeld und Südoststeiermark keine Gemeinde mit mehr als 10.000 Einwohnern (in Feldbach sind es rund 13.000), die Bezirke bestehen vorwiegend aus kleinen Gemeinden mit maximal einigen tausend Einwohnern.

 

Viele Pendler aus Süden und Osten

Hinzu kommt, dass in den Bezirken im Süden und Osten besonders viele Menschen pendeln. Die Südoststeiermark liegt bei sogenannten Gemeinde-Auspendlern – also Menschen, die in einer anderen Gemeinde als ihrer Heimatgemeinde – arbeiten nach dem Bezirk Graz-Umgebung an zweiter Stelle, Hartberg-Fürstenfeld an vierter.

Wirft man einen Blick nur auf die Bezirks-Auspendler, also Menschen, die ihre Arbeitsstelle in einem anderen als dem Heimatbezirk haben, so zeigt sich ein ähnliches Bild: Angeführt wird die Statistik wenig überraschend von Graz und Graz-Umgebung, da zwischen diesen beiden Bezirken viel gependelt wird (so ist beispielsweise auch ein Seiersberger, der in der Stadt Graz arbeitet, ein Bezirks-Auspendler). Dahinter folgen aber ausnahmslos Bezirke im Süden und Osten der Steiermark, wohingegen es im Westen weit weniger Bezirks-Auspendler gibt.

 

Fazit

In den Randbezirken im Westen, Süden und Osten verdienen die Menschen durchschnittlich weniger als rund um die Stadt Graz und in der Mittel- und Obersteiermark. Trotzdem gibt es dort, wo die Menschen im Steiermark-Vergleich besonders wenig verdienen, besonders viele Autos – ein Umstand, der international oft als Wohlstandszeichen gewertet wird, im Fall der südöstlichen Steiermark aber kein ausgesprochenes Zeichen dafür ist. Erklären lässt sich dieses Symptom vielmehr durch die vielen kleinen Gemeinden und das Fehlen großer städtischer Zentren, vor allem aber durch die Pendleranzahl, die im Süden und Osten der Steiermark sehr hoch ist.

„Bin ich viele?“, „Geht’s mir gut?“, „Wer unterstützt mich?“ – Antworten auf diese Fragen bietet die WEB-APP des Projekts „Steirische Vielfalt visualisiert“, die Daten zur Diversität in der Steiermark visuell darstellt und zugänglich macht. Realisiert wurde das Projekt vom Land Steiermark in Kooperation mit FH JOANNEUM und TU Graz.

 


Daten
Landesstatistik Steiermark:
Regionale Einkommensstatistiken unselbständig Beschäftigter 2015 (PDF);
Kraftfahrzeugbestand (Jahresende) insgesamt (PDF);
Kraftfahrzeugdichte (Jahresende) insgesamt (PDF);
Steiermark – Bezirke: Auspendler lt. Registerzählung 2011 (PDF);
Steirische Gemeindedaten für den Finanzausgleich 2016 (Gebietsstand 2015) (XLS)
OpenStreetMap Contributors:
Geodaten (via Tableau)

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