Männliche Dominanz im Langlaufsport

Langlaufen zählt zu den gesündesten Sportarten und ist vor allem in Ländern mit ausgeprägtem Winter allgemein beliebt – bei Frauen wie bei Männern. In den Starterfeldern der größten Langlaufrennen spiegelt sich das aber nicht wider, hier sind Frauen ganz deutlich in der Unterzahl.


Die Worldloppet International Ski Federation vereint die 20 besten Langlaufmarathons der Welt zu einem großen Cup. Jeweils das größte Langlaufrennen eines Landes kann – wenn seine Historie und Tradition den Worldloppet-Standards entsprechen – Mitglied der Serie sein.

130.000 Langlaufbegeisterte nehmen jährlich an den 20 Marathons von Australien über ganz Europa bis nach Island, Amerika und Canada, von Neuseeland über Russland, China und Japan bis Argentinien teil und der Trend geht trotz immer schneeärmeren Wintern nach oben. Betrachtet man das Starterfeld genauer, fällt allerdings eines besonders auf: Während sich die Altersstruktur, geographische Herkunft und der Fitnesszustand der Langläufer über die volle Bandbreite erstreckt, ist die Geschlechteraufteilung als sehr einseitig zu bezeichnen. Weibliche Sportler sind ganz klar in der Unterzahl.

Im Schnitt waren in der Saison 2015 bei den weltweiten Worldloppet-Events nur rund 15 % Frauen am Start. In den jeweiligen Hauptrennen der Rennveranstaltung gingen vergangenes Jahr 7606 Frauen ins Rennen. Dem gegenüber stehen 41.360 Männer, was doch eine außerordentlich große Dominanz veranschaulicht. Jedoch weichen die Zahlen der einzelnen Nationen teilweise sehr stark von diesem Durchschnitt ab. Klarer Spitzenreiter in Sachen Frauenquote ist China mit 26,44 %, während die unmittelbaren Nachbarn wie Japan  mit 8,61 % weit unten im Klassement rangieren, Russland nimmt mit 6,78 % klar die Position der roten Laterne ein. Woran das liegt, können die Veranstalter des russischen Demino Skimarathons auch nicht beantworten. Die Frauen seien eine ebenso stark umworbene Zielgruppe wie die Männer.

Auch das Australische Worldloppet-Rennen kann mit einer (relativ) positiven Frauenquote aufwarten, hier waren es 22,30 %. Und das obwohl dieser Wert in der Saison 2011 noch bei 18,12 % lag und somit um 4,18 Prozentpunkte in nur fünf Jahren gestiegen ist. In Europa gehen die einzelnen Werte auseinander. Im Mutterland des Langlaufens, Norwegen, sind es 18 %, obwohl hier der Langlaufsport als Volkssport zählt und von einem Großteil der Bevölkerung, egal ob Mann oder Frau, betrieben wird. Selbiges gilt für den Nachbarn Schweden, Austragungsort des größten Langlaufrennens der Welt, des Vasaloppet in Schweden. Nur 13 % der 12.600 Starter 2015 waren weiblich. Allerdings konnte durch ein gezieltes Konzept zur Erhöhung der Frauenquote ebenjene in den letzten fünf Jahren stetig gesteigert werden. 2011 waren es erst 10,32 %. Es wird erwartet, dass das Konzept erst in dieser und den kommenden Saisonen voll greifen wird und somit in Richtung einer halbwegs ausgeglichenen Geschlechterverteilung führt.

Die Aussage dieser Grafik wird verstärkt durch die folgende, auf der zu erkennen ist, dass die Gesamt- und die männlichen Registrierungen sinken, die weiblichen aber steigen.

In Mitteleuropa sind völlig unterschiedliche Werte zu verzeichnen. Während die Schweiz mit ziemlich genauen 20 % weit oben im Ranking zu finden ist, schneiden Polen, Tschechien und Österreich mit weit unter 10 % sehr schlecht ab. Der Dolomitenlauf im österreichischen Lienz hat im Allgemeinen mit sinkenden Teilnehmerzahlen zu kämpfen und gilt als ein recht selektives Rennen. Vielleicht hängen die fehlenden Starterinnen damit zusammen, so sieht es jedenfalls die Rennleitung. Wie auch immer, von der Saison 2014 auf die Saison 2015 fiel der Frauenanteil um ganze 3,5 Prozentpunkte auf nur 9,43 herab.

Woran diese unausgewogene Geschlechterverteilung im Langlaufsport und speziell in den Worldloppet-Rennen (die durchaus als repräsentativ für diesen Sport zu werten sind) liegt, kann auch das Secretary General Office der Ski Federation sagen: „Es ist im Sport allgemein erkennbar, dass die Männer in Sachen Teilnehmerzahlen dominieren. Das hat viele allgemeine Gründe. Männer brauchen dieses Kräftemessen, das ist eine Art Dominanzverhalten. Während Frauen lieber für sich und ihre Gesundheit Sport treiben“, meint der Worldloppet-Pressesprecher.

Jedenfalls, so fügt er hinzu mache man sich bereits seit längerem Gedanken darüber, wie diese Quote ausgeglichener gestaltet werden könnte und wird es auch weiterhin noch tun. Einfach ist das mit Sicherheit nicht, kann man auf der anderen Seite Frauen nur zu einem gewissen Maß bevorzugt behandeln. Eine geringere Teilnahmegebühr für Frauen beispielsweise stünde nicht gerade im Sinne der sportlichen Fariness. Andererseits könnten rückläufigen Teilnehmerzahlen – dem Schneemangel geschuldet – mit einer steigenden Zahl an weiblichen Starterinnen ausgeglichen werden.

Werkstattbericht:

Zu aller erst war es mein Plan, die Teilnehmerschaft der 20 Worldloppet-Rennen der letzten 5 Jahre zu analysieren und anhand der Parameter Nationalität, Altersgruppe und Geschlecht einzuteilen. Die Daten dazu hätte ich auf der Worldloppet-Website, mit den Ergebnislisten aller Rennen und Jahre, gefunden. Bei der esten Analyse der Teilnehmerschaft fiel mir allerdings auf, dass ein sehr großes Ungleichgewicht im Parameter Geschlecht vorherrscht, deshalb habe ich mich auf diesen fokussiert und begonnen die Daten der Ergebnislisten zu extrahieren (das habe ich mit einer Software gemacht, die mir Julian gezeigt hat, leider weiß ich den Namen nicht mehr).

Somit hatte ich die Daten der letzten 5 Jahre aller 20 Worldloppet-Nationen und machte mich an die Visualisierung. Um die Entwicklung der Frauenquote zu veranschaulichen habe ich die Zahlen des größten Langlaufrennes der Welt, dem Vasalauf, herangezogen und mit Infogr.am in ein interaktives Kurvendiagram eingefügt und auf WordPress platziert (nachdem Julian dann das passende Plug-In installiert hat). Um auch die enorme Differenz zwischen Mann und Frau im Starterfeld zu zeigen, habe ich noch die Entwicklung der Gesamtteilnehmer und der Männer und Frauen im Speziellen wiederum in einem Kurvendiagram visualisiert.

Um zu zeigen wie die Frauenquote in den verschiedenen Nationen aussieht, habe ich im Anschluss noch – wieder mittels Infogr.am – die 20 Länder geogetagged und mit ihren Prozentzahlen versehen. Das Ganze ist auf einer Wärme-Map zu sehen, heißt die „besten“ Länder sind am dunkelsten gefärbt und die „schlechtesten“ eben am hellsten. Zusätzlich scheinen die einzelnen Prozentzahlen auf.

Die restlich verbliebenen Daten habe ich verwendet um textuell einen Rahmen rund um die drei Visualisierungen zu bilden.

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