Graz 2031: Studentenstadt oder Pensionopolis?

Ist Graz nun die charmante kleine Murmetropole für Studierende oder eine alternde Verbotsstadt? Die Prognose zum Bevölkerungswachstum bis 2031 gibt Aufschluss.

Zur Beantwortung dieser Frage müssen mehrere Kriterien berücksichtigt werden:

1. das Durchschnittsalter
2. das unterschiedlich schnelle Wachstum der Altersgruppen
3. die örtliche Verteilung eben jener Altersgruppen

Schon vorab sei aber gesagt: Graz, du wirst alt! Zur wissenschaftlichen Untermauerung: Die WHO bezeichnet einen Menschen ab 60 als alternden Menschen. Dank des medizinischen Fortschrittes werden Menschen immer älter, was zur Folge hat, dass die Altersgruppe ab 60 auch die am schnellsten wachsende Bevölkerungsgruppe ist. Weltweit. Das trifft auch auf Graz zu. Graz wird bis 2031 eine Steigerung von 265.076 (2012) auf 288.570 (2031) EinwohnerInnen vorausgesagt. Das ist ein Plus von 8,9 Prozent und entspricht 23.494 neuen GrazerInnen. Was daran interessant ist? Das zeigt die folgende Grafik.

Stellt man diese Zahlen nun auf Basis einer Grundgesamtheit von 100 Personen dar, würde die Verteilung ungefähr so aussehen:

Doch noch einmal zurück zum Anfang. Im Jahr 2012 verzeichnete Graz wie schon erwähnt 265.076 Einwohner. Diese Zahl teilte sich wie folgt auf:

Bricht man die Zahlen der Gesamtbevölkerung nochmals auf 100 Personen herunter und vergleicht die Jahre 2012 und 2031, so wird deutlich, welche Altersgruppen zahlenmäßig schwächer werden. Denn obwohl alle wachsen, so tun sie dies doch unterschiedlich schnell.

Was ist die (zugegeben nicht brandneue), Lehre, die sich daraus ziehen lässt? Brace yourselves, ihr Yuppies, the Woofs are coming! Denn selbst wenn das Durchschnittsalter von 40,4 (2012) auf nur 41,8 (2031) steigen dürfte, so legt die Altersgruppe ab 60 doch das stärkste Wachstum hin.

Wie alt sind die Grazer Bezirke?

So weit, so gut. Die Grazer Gesamtsituation wäre somit geklärt. Wie sieht es aber aus, wenn man ins Detail geht?

Wirft man einen genaueren Blick auf die einzelnen Grazer Bezirke, so ist das Durchschnittsalter ein erster Anhaltspunkt für die demografische Struktur der Stadt. Diese Map zeigt dies für die Jahre 2012 (Layer 1), 2031 (Layer 2) un die daraus resultierende Differenz (3).

Der im Schnitt älteste Bezirk im Jahr 2012 war demnach Ries (44 Jahre), der jüngste Gries (38,4 Jahre). 2031 könnte hingegen Andritz (43,9 Jahre) das Feld anführen, jüngster Bezirk wäre wieder Gries (39,8 Jahre).

Interessant ist jedoch, dass Ries und Waltendorf mit jeweils 43,5 Jahren im Schnitt sogar jünger (wenn auch nur geringfügig) werden dürften. Bei Ries ginge dies aber (als einzigem Grazer Bezirk) mit einem geringen Bevölkerungsverlust einher.

Wo wohnt wer 1.0. (2012)

Der Altersdurchschnitt alleine sagt aber noch nicht viel über die Verteilung der einzelnen Altersgruppen aus. Wer es genauer wissen will, der relativiert. Ein hoher Altersdurchschnitt muss schließlich nicht heißen, dass es keine Jugendlichen vor Ort gibt oder nur Pensionierte dort wohnen. Im Gegenteil!

In Jakomini (Durchschnitt 39,1 Jahre) betrug der Anteil der jungen Bevölkerung mit 11,4 Prozent sogar weniger als in Ries (44 Jahre, 12,2 Prozent 0-14 Jahre alt). Richtig ist aber auch, dass Ries mit 28 Prozent den höchsten Anteil an Personen ab 60 im Jahr 2012 hatte.

Wer also auf der Suche nach einer Wohnung in einem jungen Viertel ist, in dem mehr los ist als der wöchentliche Bauernmarkt (zum Beispiel in St. Peter), der sollte eher auf die prozentuelle Verteilung der Altersgruppen Acht geben. Altersdurchschnitt hin oder her.

Die folgende Map setzt daher die Einwohnergröße der Bezirke in Relation zu den dort vertetenen Altersgruppen. Layer 1 bezieht sich in der relativen Verteilung auf die 0-14-Jährigen. Layer 2 zeigt die Gruppe von 15-59 Jahren. Layer 3 steht für die Gruppe ab 60.

Wo wohnt wer 2.0. (2031)

Immobilien, so sagt man, sind eine vernünftige Möglichkeit, um Geld anzulegen. Langfristig. Ein Blick in die Zukunft lohnt sich also. Was hilft es dem der Gentrifizierung verschriebenen Immobilienmakler also, wenn sich das Stadtviertel, das heute noch als jung und vibrierend gilt, in 15 Jahren zum Naherholungsgebiet für Rentner mit Hund wird? Wohl eher nicht so viel.

2031 sollte man daher die Bezirke Gries (39,8 Jahre, 64,9 Prozent zwischen 15 und 59), Innere Stadt (41 Jahre, 64,6 Prozent zwischen 15 und 59) und Jakomini (41 Jahre, 63,6 Prozent zwischen 15 und 59) im Auge behalten. Verlangt aber auch das nötige Kleingeld. Alternativ sieht es aber auch in Eggenberg und Lend gut aus.

Wer es ruhiger mag, für den empfehlen sich Andritz, Ries und St. Peter. Dies sind die Bezirke mit den höchsten Altersdurchschnitten, der Anteil der Bevölkerung ab 60 liegt bei etwas 30 Prozent.

Gleiches Spiel wie oben: Layer 1 steht für alle von 0-14 Jahren, Layer 2 deckt die Sparte von 15-59 ab, Layer 3 zeigt den 60+-Anteil in Graz.

Abschließend lässt sich also sagen: Ja, Graz altert. Manche Bezirke tun dies schneller, andere langsamer. Es gilt die Faustregel: Je zentraler der Bezirk liegt, umso jünger ist er. Die äußeren Bezirke sind wiederum für das heben des Altersdurchschnitts verantwortlich. Für den Titel Pensionopolis reichen die Daten zur Altersentwicklung (zumindest noch) nicht aus.

Quelle:
(soweit nicht anders verlinkt): Open Data Graz (Originales Quellmaterial)
Grafiken wurden auf Basis des mit Microsoft Office Excel bereinigten Datenmaterials erstellt.

Werkstattbericht: Infos, wie ich diesen Beitrag erstellt habe, gibt’s hier.

 

 

 

 

 

 

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