Open Data 101

Was sind offene Daten? Wem gehören sie, wer darf sie verwenden? Und braucht das in Österreich überhaupt irgendjemand? Ein Open Data Primer.

Dossier von Anna-Magdalena Drusko, Christoph Madl und Gunnar Zlöbl

Open Data oder offene Daten sind im Grunde das gleiche, nämlich Daten, die „von jedermann frei benutzt, weiterverwendet und geteilt werden können“.   Die einzige Einschränkung dabei ist die Verpflichtung zur Nennung des Urhebers.

Nach dem Open Data Handbook muss Open Data über folgende Merkmale verfügen:

Verfügbarkeit und freier Zugang: Die Daten müssen als Ganzes verfügbar und idealerweise als kostenloser Download über das Internet beziehbar sein. Ferner müssen die Daten in einem zweckmäßigen und modifizierbaren Format zur Verfügung stehen. Das heißt, sie sollen maschinenlesbar und als Gesamt-Datensatz sowie in einem offenen Format verfügbar sein.

Weiterverbreitung: Die Lizenz der Daten muss die Weiterverbreitung, einschließlich Verkauf der Daten, erlauben – egal ob alleine, als Teil einer Sammlung oder in veränderter Form.

Universelle Beteiligung: Die Daten müssen für jeden nutzbar, bearbeitbar und weiterleitbar sein. Dabei darf es zu keiner Benachteiligung oder Diskriminierung von einzelnen Personen, Gruppen oder Verwendungszwecken kommen.

Diese Definition von Open Data ist vor allem aus Gründen der Kompatibilität äußerst wichtig, beziehungsweise notwendig, um Interoperabilität gewährleisten zu können.

Interoperabilität ist die Fähigkeit von verschiedenen Systemen und Organisationen, möglichst nahtlos zusammenzuarbeiten. Um große Datenmengen miteinander zu verknüpfen und komplexe Systeme daraus zu bauen, müssen diese barrierefrei zugänglich sein und genutzt werden können.

Warum ist das wichtig?

Die österreichische Regierung sammelt an unzähligen Stelle nützliche Information und Daten über verschiedenste Dinge. Daten, die für jedermann zugänglich und von großem Nutzen für die Zivilgesellschaft sein könnten. Ein einfaches Beispiel wären etwa die Standorte und Öffnungszeiten aller österreichischen Krankenhäuser und Erstversorgungszentren, die, öffentlich zugänglich, von Maschinen oder Privatpersonen gelesen und weiterverarbeitet werden können.

In den Forderungen des deutschen Open-Data-Netzwerks liest sich die Vorstellung von Open Data folgendermaßen:

“Alle Daten aus Gesetzgebung, Rechtsprechung und öffentlicher Verwaltung, die nicht berechtigten Datenschutz- oder Sicherheitsbeschränkungen unterliegen, sollten der Allgemeinheit im Internet offen zugänglich, in vollem Umfang und ohne vorherige Filterung oder Einschränkungen (Roh-Daten), in offenen maschinenlesbaren Formaten, über offene Schnittstellen (API), zeitnah und kostenfrei zur Verfügung gestellt werden. Dazu sollten auf allen Ebenen (Bund, Länder, Kommunen) Datenportale geschaffen werden, auf denen die Informationen der Allgemeinheit zeitnah, kostenfrei und unter Lizenzen zur Verfügung stehen, die die weitere Nutzung und Bearbeitung der Daten nicht einschränkt.”

Für Marc Pietkiewicz, einem der Initiatoren der Crypto Party Graz, sollte Open Data eigentlich Standard in einer modernen, vernetzten Welt sein. Wenn durch Steuermittel finanzierte Daten erhoben werden, sollten diese laut Pietkiewicz auch den BürgerInnen zur Verfügung stehen. Das schaffe Transparenz, stärke das Vertrauen in die Demokratie und gäbe BürgerInnen die Möglichkeit, die Verwaltung zu kontrollieren. Außerdem kann die Datenoffenlegung einer doppelten oder dreifachen Datenerhebung entgegenwirken. Open Data macht – wenn gut aufbereitet – Sachverhalte sichtbar und verständlich und ermöglicht es, eine Kontrollfunktion gegenüber dem Staat wahrzunehmen.

Dennoch sollten laut Pietkiewicz nicht alle Daten transparent gemacht werden. Personenbezogene Daten, die häufig mit dem Begriff Open Data vermischt werden, sind nicht Teil davon. Weiters gibt es Daten, die aus strategischen oder sicherheitstechnischen Gründen nicht oder nur zeitverzögert veröffentlicht werden sollten. Aber auch ein Staat sollte sich nach Pietkiewicz dessen bewusst sein, dass das alleinige Verfügbarmachen von Daten nicht zwangsläufig einen Mehrwert bringt. Korrektheit von Daten ist ebenso ein heikles Thema wie deren Interpretation. Wie man es von wissenschaftlichen Studien her kennt, sollte immer beachtet werden, wer die Daten zur Verfügung stellt und welche Aussagen mit den Daten getroffen werden.

Österreichs Rolle

Klassischer Vorreiter, was Open Data anbelangt, ist laut Pietkiewicz die USA.  Er verweist auf das Datenmaterial der NASA und darauf, dass diese staatlich finanzierte Behörde ihre Daten unter einer Public Domain zur Verfügung stellen muss. Auch in Großbritannien finden sich Vorzeigeprojekte wie Where does my money go oder Fix my street. Für den deutschsprachigen Raum findet man im Do:Index einen Versuch der Gegenüberstellung der digitalen Offenheit zwischen Deutschland, Österreich, der Schweiz und auch einen Städtevergleich.

In Österreich wurde 2011 die „Cooperation Open Government Data Österreich“ auf Initiative des Bundeskanzleramtes gegründet. Unter diesem Kooperations-Verband arbeiten die Städte Wien, Graz, Linz und Salzburg, das Land Oberösterreich, die Universität Krems, das Bundesrechenzentrum und das Bundesamt für Umwelt. Die Mitglieder erstellen auf Basis von Datenkatalogen aus Gemeinden und Städten eigene lokale Daten-Kataloge, die in weiterer Folge in einem österreichweiten Katalog gesammelt und auf der Website data.gv.at veröffentlicht werden.

Das Bundeskanzleramt stellt in diesem Zusammenhang die Verbindung zu zwei weiteren wichtigen Playern in der Österreichischen Internet- und Onlineszene  her: zur Plattform Digitales Österreich und dem Kompetenzzentrum Internetgesellschaft. Ersteres ist das Koordinations- und Strategiegremium der Bundesregierung für E-Government und die zweitgenannte Einrichtung wurde von Kanzler, Vizekanzler und verschiedenen Ministerien ins Leben gerufen, um den Ministerrat und die Regierung in Sachen Informations- und Kommunikationstechnik zu beraten.

Die Cooperation OGD Österreich kooperiert eng mit den OGD-Einrichtungen der Schweiz, Deutschland und Liechtenstein, um einen deutschsprachigen Daten-Katalog für die Region D-A-CH-LI zu entwickeln.

Auf europäischer Ebene ist die englische Open Knowledge Foundation der größte Player in diesem Sektor. Unter der Finanzierung der Europäischen Kommission sammelt sie sämtliche lokale, regionale und nationale Kataloge und fasst sie auf PublicData.eu zu einem paneuropäischen Katalog zusammen.

Mehr Partizipation ist aber immer wünschenswert, meint Pietkiewicz. Sei es seitens der Politik, die sich teilweise noch quer stellt, bestimmte Daten zu veröffentlichen. Andererseits natürlich auch seitens interessierter NutzerInnen,
ProgrammiererInnen und Leuten, die die Daten aufbereiten und durch
Visualisierungen bzw. Storytelling auch komplexere Sachverhalte
begreifbar machen.

In Graz gibt es verschiedenste Initiativen dazu:

Die Leiterin der IT-Services der Stadt Graz und somit Mitverantwortliche für die Rolle der Stadt Graz im Open Gouvernment Data-Prozess, Barbara Meyer, über Österreichs Standard im europäischen Vergleich:

„Die Briten sind ganz klar Vorreiter, auch die Skandinavier sind ganz gut unterwegs, dann kommt aber sicher schon Österreich. Im Vergleich zu anderen europäischen Nationen sind wir ganz gut unterwegs. Wir haben einheitliche Standards, ein funktionierendes Eingabesystem, etc. Der Informationsfluss funktioniert von ganz unten nach ganz oben sehr gut!“

Hinter der Geschichte.

Leitfragen: Was ist Open Data und welche Akteure gibt es in Österreich?

Gespräche mit Marc Pietkiewicz vom Spektral Graz und der Leiterin der IT-Services der Stadt Graz, Barbara Meyer, dienten als Grundlage für das Dossier. Weitere Quellen sind direkt im Fließtext verlinkt. Stand der Recherche: 21.01.2015

 

 

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