Rückblick auf das Symposium „Infografik und Datenjournalismus”

Die Datafizierung der Welt schreitet rasant voran. Small Data und Big Data sind ständige Begleiter in unserem Alltag. Damit werden Techniken, die es erleichtern, Datenberge zu überblicken, zu zentralen Skills in der Informationsbranche. Die Beschaffung, Auswahl, Verknüpfung und Analyse von strukturierter Informationen wird zur Basiskompetenz. Die strategische Öffnung und Bereitstellung von Daten wird zum Wettbewerbsfaktor. Für ForscherInnen ebenso wie für JournalistInnen, InformationsdesignerInnen oder andere informationsintensive Berufe. [Aus dem Programmtext]

Vor einer Woche veranstalteten wir an der FH JOANNEUM in Graz das Symposium „Infografik und Datenjournalismus“. Es handelte sich um ein gemeinsames Event des Departments Medien und Design. Das Ziel des Symposiums: Renommierte ExpertInnen aus den Bereichen Design, Journalismus und Forschung nach Graz zu bringen, um den State of the Art von Datenvisualisierung in verschiedenen Branchen anhand praktischer Beispiele zu diskutieren.

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Stargast des Tages war Mona Chalabi, derzeit die Schlüsselredakteurin des Guardian Datablog, der ohne Zweifel ein Vorreiter und Leuchtturm im Datenjournalismus ist. In ihrer Keynote erzählte Chalabi unter anderem, wie Datenjournalismus beim Guardian praktiziert wird: Der Bereich „Data” wird etwa (fast) wie ein eigenes Ressort behandelt. Er arbeitet getrennt vom Interactive-Team, das an aufwändigeren Projekten sitzt. Der Datablog hat zum Ziel, insbesondere Statistiken, die öffentlich verfügbar sind, schnell interaktiv zu visualisieren. Alle Daten in Google Spreadsheets, einige frei erhältliche Webvisualisierungstools darauf angewandt, die Daten immer offengelegt – das sind Kernpunkte ihres Workflows. Wir arbeiten daran, dass es ihren Vortrag demnächst auch in besserer Qualität abrufbar gibt. Hier ist das Video von Mona Chalabis Vortrag:

Vor Mona Chalabi kamen Vertreter jener Medien zu Wort, die hierzulande den Datenjournalismus prägen. Drei verschiedene Perspektiven sollte es dabei auf den heimischen Datenjournalismus geben: Eine Programmierer-, eine Journalisten- und eine Designerperspektive – ganz so wie auch viele Datenjournalismus-Teams zusammengesetzt sind, die an aufwändigeren Projekten arbeiten.

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Den Beginn machte Florian Gossy, Datenjournalist bei derStandard.at, der insbesondere auf die Hürden einging, die sich im Tagesgeschäft stellen. Gossy nannte drei Imperative, der sich auch die ressourcen- und wissensintensive Praxis des Datenjounalismus stellen muss: Zeit, technische Infrastruktur, Menschen.

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Auf Gossy folgte Philipp Naderer, Frontent-Programmier bei ORF.at und einer der vier Entwickler rund um die Wahl-13-App und -Sonderseite des ORF. Naderer zeigte auf, dass beim Entwickeln von datenjournalistischen Anwendungen ständig Entscheidungen getroffen werden müssen, die starke Auswirkungen auf die finale Datendarstellung haben. Insbesondere die vielen unterschiedlichen Plattformen und Displaygrößen machen zeitgemäße Informationsvisualisierung zu einer großen Herausforderung.

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Fabian Lang, Mitbegründer und Designer der vielfach ausgezeichneten journalistischen Websites paroli & Dossier komplettierte die Fallstudienanalyse des aktuellen österreichischen Datenjournalismus. Lang präsentiere unter anderem ein von ihm entwickeltes Tool, mit dem Redakteure einfach erste Anfragen an einen Datensatz stellen können – ohne über intensive Datenanalyse- oder Programmierfertigkeiten verfügen zu müssen.

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Vor dem Datenjournalismus-Schwerpunkt gab die Grafikerin und Ausstellungsgestalterin Renate Woditschka eine allgemeine Einführung in das Themenfeld der interaktiven Infografik. Naturgemäß ist das Spektrum hier sehr breit – dennoch schaffte es Woditschka, auf einige höchst unkonventionelle Infografiken hinzuweisen.

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Karl H. Müller, der Leiter des Wiener Instituts für Sozialwissenschaftliche Dokumentation und Methodik, beleuchtete anschließend, wie Visualisierung bei großen Datenmengen in den Sozialwissenschaften eingesetzt wird. Seine Verweise auf Otto Neurath und die Analysen des European Social Survey markierten Höhepunkte in seinem Vortrag.

  • Video von Karl H. Müllers Vortrag:

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Das Symposium wurde vervollständigt durch Benjamin Hable und Christopher Frisee, ein Teil der Agentur Unter freiem Himmel. Sie gaben Einblick in die Arbeit an einem aufwändigen Projekt, dem Insight-Turm, bei der Wege, die Suchanfragen an Google nehmen, verbildlicht wurden:

  •  Video von Benjamin Hables & Christopher Frisees Vortrag:

Das Symposium an der FH wurde am darauffolgenden Tag durch Workshops komplettiert, die Studierenden des Departments vorbehalten waren. Im Anschluss reiste Mona Chalabi weiter nach Wien. Dort sprach sie bei der Veranstaltungsreihe Hacks/Hackers, die sich mit Journalismusinnovation beschäftigt, über den datenjournalistischen Workflow beim Guardian.

Einige Medien interviewten Mona Chalabi während ihres Aufenthalts. Der Standard brachte eine Vorankündigung zum Symposium, ein Interview im Kurier erschien in Print und Online und Ö1 sendet voraussichtlich diese Woche sendete am Mittwoch ein Gespräch im Rahmen der Reihe Digital.Leben.

Symposiumskuratierung: Thomas WolkingerJulian AusserhoferKarl StockerSeppo Gründler

Organisationssupport: Elisabeth Staggl, Ursula Lagger, Boris Böttger, Christine Braunersreuther,  Lucia Jarosova

Fotos: Lucas Kundigraber & Andeas Eymannsberger

Weitere Fotos: FacebookFlickr

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