Nerd trifft Schreiber

Im Datenjournalismus prallen Programmierer und Journalisten aufeinander – Ähnliches passiert bei sogenannten Hackathons. IT-Fachleute setzten sich mit Projektmanagern zusammen, um dann idealerweise nach ein paar „Hackdays“ den Stand der Dinge etwas weitergeschoben zu haben.

Ein Hackathon, ganz nebenbei die wohl unsportlichste Variation des Wortes Marathon, ist  eigentlich ganz leicht beschrieben: Über  zumeist mehrere Tage arbeiten Experten ihrer IT-Fachgebiete gemeinsam Lösungen für Softwareprobleme aus. Nach Standard-Vorgehensweise werden Teams gegründet, die sich einzelnen Teilgebieten des zu behandelnden Problems sind – anschließend wird programmiert und präsentiert.  Am Ende des Tages soll dann Software in Form von Apps oder zumindest die ideale Nutzung derer dabei herausschauen, um sich beim nächsten Hackathon einem neuen Problem widmen zu können. So weit, so gut.

Datengeschichte

Im Datenjournalismus greift man nun auf genau dieses Prinzip der Weiterentwicklung zurück und konferiert sich sozusagen auf die jeweils nächste Stufe. Programmierer sind selbstverständlich auch dort vor Ort, schließlich müssen die Vorstellungen und Daten der ebenfalls anwesenden Journalisten in eine ansprechende Form gebracht werden. Ziel ist es, über Daten und deren Inszenierung eine Geschichte zu erzählen. Außerdem vonnöten sind Rechtsexperten, die über die Herkunft und Verwendung von Daten für Klarheit sorgen sollen. Nach dem Vorbild herkömmlicher Hackathons werden Gruppen eingeteilt, in jeder Gruppe findet sich zumindest ein Journalist und ein Programmierer.

Ebensolche journalistische Hackathons existieren jedoch noch nicht allzu lange. Den Anfang machte ein 30-Stunden-Hackathon nahe Buenos Aires im April 2011. Unter dem Arbeitstitel „Mapa76“ setzten sich 150 Experten in Rosario, um die Barrieren Journalismus und IT einzureißen, indem man mit Informationen auf einer Karte eine Geschichte erzählt. Die Daten stammen aus der Zeit der argentinischen Diktatur der Jahre 1976-83, angepeilt wurde es, Beschlüsse und historische Fakten auf ihren damaligen Schauplätzen abzubilden. Von Seiten der „Hacker“ heißt es, das Projekt sei in der aktiven Entwicklungsphase.

Thinking outside the box

In Helsinki fand im Rahmen des OKFestivals eine vergleichbare Versammlung statt. Hier standen Datenvisualisierungen im Vordergrund. Die größte finnische Tageszeitung, Helingin Sanomat, lud zu einem Hackathon um Datenjournalismus-Projekte zu launchen. In jedem der Teams fand sich zumindest ein Designer, ein Programmier und ein Journalist um neue Ideen zu entwickeln und aus den alltäglichen Schemata „herauszudenken“.  Die untenstehende Slideshow gibt Aufschluss über die Arbeitsschritte des Hackathons.  Dass dieser Prozess ebenfalls mit OpdenData zu tun hat, versteht sich. Schließlich müssen die Daten auch irgendwo herkommen.

Der Sinn dieser Veranstaltungen liegt selbstverständlich im Entwickeln von Software und Projekten – vielmehr jedoch geht es meiner Meinung nach darum, Branchengrenzen zu durchbrechen um eine Art Selbstverständlichkeit der Zusammenarbeit entstehen zu lassen. Erst wenn Programmierer, Journalisten und Designer in einem Raum sitzen, kann sich der Datenjournalismus weiterentwickeln.

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