Skypen statt Kuscheln

Tausende rumänische Kinder wachsen aufgrund von Arbeitsmigration ohne beide Elternteile auf. Viele kennen ihre Eltern von Fotos und Bildschirmen, haben aber vergessen, wie es sich anfühlt, von Mama und Papa umarmt zu werden. Skypen statt Kuscheln weiterlesen

Mindestsicherung: Wer sie 2016 in der Steiermark bezogen hat

Sie ist vielfach in den Medien, dieser Tage oft ein Schlagwort in politischen Debatten, und nicht jeder weiß, wer sie eigentlich wofür bekommt: die „Bedarfsorientierte Mindestsicherung“. Wo und für wen die Beihilfe in der Steiermark 2016 ausgeschüttet worden ist – ein Round-up.

Mehr als jeder zweite Bezieher der Mindestsicherung in der Steiermark lebt in der Landeshauptstadt Graz. 10.109 BezieherInnen waren es im Dezember 2016, das entspricht 53,99 Prozent. Weitere 8.614 Steirerinnen und Steirer aus den Bezirken beziehen ebenfalls die sogenannte „Bedarfsorientierte Mindestsicherung“, kurz BMS.

 

Kinderlose Paare 60+ als größte Beziehergruppe in der Stadt

Vier Prozent der Bevölkerung in der Stadt Graz beziehen die „Bedarfsorientierte Mindestsicherung“. Die meisten BMS-Bezieher gehören zur Gruppe „Paare ohne Kinder über 60/65“ (2.183 BezieherInnen), die zweitgrößte Gruppe sind Paare mit vier oder mehr Kindern. Diese beiden Beziehergruppen machen mehr als ein Drittel aller BMS-Bezieher in Graz aus.

 

Jeder vierte Bezieher in Bezirken ist Senior

In den Bezirken (Stadt Graz nicht mitgezählt) bezieht knapp ein Prozent der Bevölkerung – das sind rund 8.000 Menschen – Mindestsicherung. Auch hier sind es zumeist Senioren („Paare ohne Kinder über 60/65“), die die BMS beziehen; jeder vierte Bezieher fällt in diese Gruppe. In zweiter Linie wird die staatliche Unterstützung an Alleinerziehende mit einem Kind ausbezahlt, und zwar an rund 1.000 Steirerinnen und Steirer, die allein ein Kind großziehen.

 

Weniger als 100 BMS-Bezieher in Murau

Die meisten Mindestsicherungsbezieher außerhalb von Graz kommen aus den Bezirken Bruck-Mürzzuschlag, Leoben, Leibnitz und Murtal. In diesen Bezirken machen die BMS-BezieherInnen auch den größten Anteil an der Gesamtbevölkerung des jeweiligen Bezirks. Die wenigsten BezieherInnen – sowohl in absoluten Zahlen als auch nach Anteil an der Bezirksbevölkerung – gibt es in den Bezirken Deutschlandsberg, Weiz und Murau, wo die Anzahl der BezieherInnen überhaupt unter 100 liegt (entspricht 0,3 Prozent der Bevölkerung im Bezirk Murau).

 

Leistung der öffentlichen Hand

„Die Bedarfsorientierte Mindestsicherung (BMS) ist eine Leistung der öffentlichen Hand zur Sicherung des Lebensunterhaltes und Wohnbedarfes sowie zur Hilfe bei Krankheit bzw. Schwangerschaft und Entbindung“, heißt es auf der Website der Landesstatistik Steiermark. Sicherung von Lebensunterhalt und Wohnbedarf, das heißt, BezieherInnen der Mindestsicherung bekommen einen monatlichen Geldbetrag, der Essen, Miete und Betriebskosten, Hausrat, Kleidung und Körperpflege sowie andere persönliche Bedürfnisse abdecken sollen. Wenn die Wohnkosten höher sind als der dafür vorgesehenen Anteil der Mindestsicherung und die Landeswohnförderung, gibt es ergänzende Hilfeleistungen bis zu einem festgelegten Höchstbetrag. BMS-BezieherInnen sind außerdem über die gesetzliche Krankenversicherung pflichtversichert.

Die Bedarfsorientierte Mindestsicherung in Anspruch nehmen können grundsätzlich Österreichische Staatsbürger sowie in gewissen Fällen andere Menschen, die zum dauernden Aufenthalt berechtigt sind (das sind laut HELP.gv.at EU-/EWR-BürgerInnen, die zum Arbeiten hierher gezogen und seit mindestens fünf Jahren in Österreich sind; andere Drittstaatenangehörige, die rechtmäßig seit fünf Jahren hier leben; und anerkannte Flüchtlinge). Nicht zu verwechseln ist die Mindestsicherung mit der Grundversorgung für Asylwerber.

„Bin ich viele?“, „Geht’s mir gut?“, „Wer unterstützt mich?“ – Antworten auf diese Fragen bietet die WEB-APP des Projekts „Steirische Vielfalt visualisiert“, die Daten zur Diversität in der Steiermark visuell darstellt und zugänglich macht. Realisiert wurde das Projekt vom Land Steiermark in Kooperation mit FH JOANNEUM und TU Graz.

 


Daten
Landesstatistik Steiermark: Mindestsicherungsbezieher im Dezember 2016 (PDF)
OpenStreetMap Contributors: Geodaten (via Tableau)

Fakten
Landesstatistik Steiermark: Bedarfsorientierte Mindestsicherung BMS (HTML)
Land Steiermark: Die Bedarfsorientierte Mindestsicherung im Detail (HTML)
HELP.gv.at: Bedarfsorientierte Mindestsicherung: Ausländische Staatsbürger (HTML)

Die Löhne, die Autos und der Wohlstand

In Graz und den Umlandbezirken der Stadt wird mehr verdient als in den Randbezirken. Gleichzeitig gibt es in den „ärmsten“ Bezirken der Steiermark die meisten Autos, und das, obwohl eine hohe KFZ-Dichte oft als Wohlstandsmerkmal erachtet wird. Viele Autos, wenig Kohle. Woher kommt das?

Nicht überall in der Steiermark verdient man gleich viel. In den Bezirken rund um die Grazer Landeshauptstadt liegt der durchschnittliche Bruttojahresverdienst deutlich über 30.000 Euro, am meisten verdient man durchschnittlich im Grazer Speckgürtel, dem Bezirk Graz-Umgebung. Dort ist das Durchschnittsgehalt pro Jahr mit rund 34.000 Euro über 4.000 Euro höher als in der Hauptstadt.

Deutlich weniger verdient man in den steirischen Randbezirken – in Liezen und Murau im Westen sowie in den Bezirken Weiz, Hartberg-Fürstenfeld, Südoststeiermark und Leibnitz im Süden und Osten liegen die durchschnittlichen Jahresgehälter überall unter 30.000.

 

Wenig Kohle, viele Autos

Just in diesen „ärmeren“ Regionen der Steiermark, besonders im Süden und Osten, ist ein Trend zu beobachten, der international eigentlich als Wohlstandszeichen gewertet wird: eine hohe KFZ-Dichte. Diese Zahl bezeichnet, wie viele Personen- und Kombinationskraftwagen auf 1.000 Einwohner kommen, und ist in der Steiermark generell nicht niedrig. Mit Ausnahme der Bezirke Murtal, Leoben, Bruck-Mürzzuschlag und Graz-Stadt (dort kommt überhaupt in etwa ein Auto auf zwei Bewohner), liegt die KFZ-Dichte in der gesamten Steiermark zumindest bei 900 Autos auf 1.000 Einwohner oder knapp darunter.

Besonders viele Autos gibt es allerdings südlich und östlich von Graz: In Deutschlandsberg, Leibnitz und Weiz sind es zwischen 950 und 1.000 Autos pro 1.000 Einwohner. Und in Hartberg-Fürstenfeld und der Südoststeiermark gibt es sogar schon mehr KFZ als Einwohner (Dichte: 1.027 bzw. 1.015 KFZ).

 

Stadt-Land-Unterschied

Die meisten Autos in den ärmsten Bezirken: Wie passen niedriger Durchschnittslohn und das „Wohlstandszeichen“ hohe KZF-Dichte zusammen? „Regionale Unterschiede (besonders zwischen dem ländlichen und städtischen Bereich) [können] in wohlhabenden Staaten wie Österreich durchaus andere Hintergründe haben“, erklärt die Landesstatistik Steiermark. Dazu zählen die Altersstruktur in betroffenen Gebieten, die Verfügbarkeit von öffentlichen Verkehrsmitteln, die vorhandenen Parkmöglichkeiten und -kosten, Länge der Wege usw.

Am Fall der südöstlichen Steiermark wird dieser Stadt-Land-Unterschied gut ersichtlich: Mit Ausnahme der Stadt Feldbach gibt es in den Bezirken Hartberg-Fürstenfeld und Südoststeiermark keine Gemeinde mit mehr als 10.000 Einwohnern (in Feldbach sind es rund 13.000), die Bezirke bestehen vorwiegend aus kleinen Gemeinden mit maximal einigen tausend Einwohnern.

 

Viele Pendler aus Süden und Osten

Hinzu kommt, dass in den Bezirken im Süden und Osten besonders viele Menschen pendeln. Die Südoststeiermark liegt bei sogenannten Gemeinde-Auspendlern – also Menschen, die in einer anderen Gemeinde als ihrer Heimatgemeinde – arbeiten nach dem Bezirk Graz-Umgebung an zweiter Stelle, Hartberg-Fürstenfeld an vierter.

Wirft man einen Blick nur auf die Bezirks-Auspendler, also Menschen, die ihre Arbeitsstelle in einem anderen als dem Heimatbezirk haben, so zeigt sich ein ähnliches Bild: Angeführt wird die Statistik wenig überraschend von Graz und Graz-Umgebung, da zwischen diesen beiden Bezirken viel gependelt wird (so ist beispielsweise auch ein Seiersberger, der in der Stadt Graz arbeitet, ein Bezirks-Auspendler). Dahinter folgen aber ausnahmslos Bezirke im Süden und Osten der Steiermark, wohingegen es im Westen weit weniger Bezirks-Auspendler gibt.

 

Fazit

In den Randbezirken im Westen, Süden und Osten verdienen die Menschen durchschnittlich weniger als rund um die Stadt Graz und in der Mittel- und Obersteiermark. Trotzdem gibt es dort, wo die Menschen im Steiermark-Vergleich besonders wenig verdienen, besonders viele Autos – ein Umstand, der international oft als Wohlstandszeichen gewertet wird, im Fall der südöstlichen Steiermark aber kein ausgesprochenes Zeichen dafür ist. Erklären lässt sich dieses Symptom vielmehr durch die vielen kleinen Gemeinden und das Fehlen großer städtischer Zentren, vor allem aber durch die Pendleranzahl, die im Süden und Osten der Steiermark sehr hoch ist.

„Bin ich viele?“, „Geht’s mir gut?“, „Wer unterstützt mich?“ – Antworten auf diese Fragen bietet die WEB-APP des Projekts „Steirische Vielfalt visualisiert“, die Daten zur Diversität in der Steiermark visuell darstellt und zugänglich macht. Realisiert wurde das Projekt vom Land Steiermark in Kooperation mit FH JOANNEUM und TU Graz.

 


Daten
Landesstatistik Steiermark:
Regionale Einkommensstatistiken unselbständig Beschäftigter 2015 (PDF);
Kraftfahrzeugbestand (Jahresende) insgesamt (PDF);
Kraftfahrzeugdichte (Jahresende) insgesamt (PDF);
Steiermark – Bezirke: Auspendler lt. Registerzählung 2011 (PDF);
Steirische Gemeindedaten für den Finanzausgleich 2016 (Gebietsstand 2015) (XLS)
OpenStreetMap Contributors:
Geodaten (via Tableau)

Herzinfarkt, Krebs, Schlaganfall: Todesursachen in der Steiermark

Im entwickelten Land Österreich leben die Menschen immer länger, und sie sterben hauptsächlich an Krebsleiden und den Folgen von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die Steiermark liegt in Sachen Lebenserwartung und Sterbealter im österreichischen Mittelfeld. Auch in unserem Bundesland sterben immer weniger Junge und mehr Alte.

Wer in der Steiermark lebt, lebt durchschnittlich nicht unbedingt am längsten. In Österreich gibt es ein bekanntes Ost-West-Gefälle, das sich neben der durchschnittlichen Lebenserwartung etwa auch am Einkommen oder an der Bildung festmachen lässt. Die Gründe dafür, dass die Menschen in Tirol oder Vorarlberg eine größere Lebenserwartung haben als der Österreichschnitt, in Wien aber eine deutlich niedrigere, sind vielfältig. Ein größeres Gesundheitsbewusstsein im Westen, die Armutsentwicklung im Süden und Osten sowie Risikofaktoren wie Übergewicht und Rauchen – besonders im urbanen Raum – spielen eine Rolle.

Wer im Jahr 2015 in der Steiermark geboren ist, der hat eine durchschnittliche Lebenserwartung von 81,13 Jahren. Damit liegt die Steiermark haarscharf über dem gesamtösterreichischen Schnitt (81,11). Männer haben hierzulande eine durchschnittliche Lebenserwartung von 78,50 Jahren (Ö-Schnitt: 78,63), für Frauen beträgt diese 83,76 Jahre (Ö-Schnitt: 83,59).

 

Fünf Jahre mehr

Auch das tatsächliche Sterbealter hat sich in den vergangenen 30 Jahren in der Steiermark kontinuierlich nach oben verschoben, die letzte detaillierte Untersuchung der Landesstatistik dazu stammt aus dem Jahr 2006. So lebten Männer in diesem Jahr durchschnittlich 4,5 Jahre länger als noch 20 Jahre zuvor, Frauen sogar 5 Jahre.

Die längere Lebenserwartung bzw. das höhere Sterbealter zeigen sich naturgemäß auch in der Altersstruktur der Verstorbenen: Machten beispielsweise Säuglinge unter einem Jahr 1986 noch 1 Prozent der Gesamtmortalität in der Steiermark aus, waren es 2006 nur mehr 0,3 Prozent. Auch in allen anderen Altersgruppen bis 74 ist ein statistischer Rückgang an Todesfällen zwischen 1986 und 2006 zu verzeichnen. Angestiegen ist im Gegensatz dazu die Anzahl der Toten, die 75 oder älter waren. In anderen Worten: 2006 starben in der Steiermark weniger Junge und mehr Alte als noch 20 Jahre zuvor.

 

Hauptursache Herzkrankheiten

Die beiden Haupttodesursachen in der Steiermark sind Krebserkrankungen sowie Herz- und Kreislauferkrankungen, mehr als zwei Drittel (69 Prozent) aller Sterbefälle entfielen 2006 auf diese beiden Gruppen. Auffällig sind aber deutliche Verschiebungen: Waren bösartige Neubildungen 1986 noch für lediglich ein Fünftel aller Todesfälle die Ursache, ist dieser Anteil 2006 auf ein Viertel gestiegen. Herz- und Kreislauferkrankungen jedoch – 1986 noch für mehr die Hälfte aller Todesfälle verantwortlich – sanken in ihrer Häufigkeit als Todesursache bis 2006 um fast zehn Prozent. Die weiteren Hauptursachen sind Krankheiten der Atmungsorgane und sonstige Krankheiten (diese Gruppen verzeichneten jeweils einen Zuwachs zwischen 1986 und 2006), sowie Krankheiten der Verdauungsorgane und Verletzungen und Vergiftungen (hier gab es einen Rückgang).

Ein genauerer Blick auf die zehn häufigsten Todesursachen der Steirerinnen und Steirer zeigt außerdem deutliche Geschlechterunterschiede auf. Während einige Todesursachen bei Männern und Frauen unterschiedlich gehäuft auftreten, gibt es andere, die nur bei einem Geschlecht in die Gruppe der häufigsten Zehn fallen: Unfälle, Suizid und Selbstbeschädigung finden sich bei nur Männern in der Liste (Platz 10); Todesfälle durch Bluthochdruck mit Herzkrankheit und bösartige Neubildungen des lymphatischen, blutbildenden und verwandten Gewebes sind dagegen nur bei Frauen eine der zehn häufigsten Todesursachen.

 

Fazit

Die Steirerinnen und Steirer leben im Österreichvergleich durchschnittlich nicht besonders lange, aber auch nicht besonders kurz. Wie auch im Rest des Landes haben sich in den vergangenen Dekaden die statistische Lebenserwartung und auch das tatsächliche Sterbealter nach oben hin verändert. Es sterben weniger Junge und mehr Alte, und das an anderen Ursachen als früher. Während Todesfälle aufgrund von Herz-Kreislauferkrankungen – immer noch die häufigste Todesursache in der Steiermark – zurückgehen, stirbt heute schon mehr als ein Viertel der steirischen Bevölkerung an Krebskrankheiten.

„Bin ich viele?“, „Geht’s mir gut?“, „Wer unterstützt mich?“ – Antworten auf diese Fragen bietet die WEB-APP des Projekts „Steirische Vielfalt visualisiert“, die Daten zur Diversität in der Steiermark visuell darstellt und zugänglich macht. Realisiert wurde das Projekt vom Land Steiermark in Kooperation mit FH JOANNEUM und TU Graz.

 


Daten
Statistik Austria: Lebenserwartung für ausgewählte Altersjahre 1995 bis 2015 nach Bundesländern und Geschlecht (PDF, CSV)
Landesstatistik Steiermark:  Todesursachen in der Steiermark 1986, 1996 und 2006 (PDF)